Archiv der Kategorie: Aktuelles

Uhren – Zeitzeugen von Technik und Geschichte

Vortragsabend mit Ian D. Fowler
Donnerstag, 14. November 2019, 18:30 Uhr

Das 4Fachwerk-Mittendrin-Museum beherbergt in seinem Dachgeschoss eine umfangreiche Sammlung der berühmten Stahlschmidt-Uhren.

Johann Peter Stahlschmidt (18. 07. 1751- 6. 10. 1833) aus Plittershagen gilt als Begründer der Freudenberger Uhrmacherkunst. Nach seiner Gesellprüfung 1777 begab sich Stahlschmidt auf die bei den Handwerkern übliche Wanderschaft. 1781, kehrte er nach Freudenberg zurück und legte im August 1785 seine Meisterprüfung ab.

Stahlschmidt baute 1798 die „komplizierteste erhaltene Siegerländer Uhr“, die heute noch im Freudenberger Museum zu bewundern ist. Sie zeigt durch zwei Zifferblätter die Zeit gleichzeitig in zwei Räumen an und ist deshalb unter dem Begriff „Janusuhr“ bekannt. Sie stand der Überlieferung nach in seinem Haus und galt offensichtlich als Normaluhr im Flecken, nach der also die Zeit der anderen Uhren eingestellt wurde. Die Uhr zeigt das Datum und die Mondphase an. Der Uhrenmeister blieb bis in sein 76. Lebensjahr seinem Handwerk treu, 1827 übergab er das Geschäft an seinen Sohn Tillmann Stahlschmidt.

2018 konnten sich die 4Fachwerk-Aktiven über den Neuzugang einer Stahlschmidt-Uhr freuen. Sie stammte aus dem Haus des Freudenberger Arztes Dr. Jacob Utsch (1824-1901) und blieb im Familienbesitz. Letzte Eigentümerin war Dr. Gudrun Leitner aus Garmisch-Patenkirchen, die schon zu Lebzeiten die Schenkung an das Museum verfügt hatte. Die Neuerwerbung, datiert 1829, wurde von Tillmann Stahlschmidt gefertigt. Das Werk wird mit älteren Werken von seinem Vater Johann Peter Stahlschmidt verglichen, inbesonders mit dem Werk der doppelseitigen Uhr von 1798, die neulich wieder überholt wurde.

Uhrenhistoriker Ian D. Fowler wird also diesmal mehr über die Technik der Stahlschmidt-Uhren referieren: Die eigentliche, handwerkliche Arbeit der Uhrmacher steckt hinter Zifferblatt und Gehäuse, so dass man es nur schemenhaft durch die kleinen seitlichen Glastürchen betrachten kann. Um die Kunstfertigkeit der Freudenberger Uhrmacher zu demonstrieren werden auch Vergleiche mit Werken anderer zeitgenössischer Uhrmacher vorgenommen. Obwohl man bis jetzt nicht weiß, wer die Gehäuse für diese Uhren baute, werden Bilder der verschiedenen Typen gezeigt.

Hermann Kuhmichel – Leben und Werk

4Fachwerk-Museum erinnert an bedeutenden Siegerländer Künstler

Das Freudenberger 4Fachwerk-Museum setzt seine Reihe „Erinnerungen an Siegerländer Künstler“ mit einer Präsentation zu Leben und Werk von Hermann Kuhmichel (1898 – 1965) fort.

Die Ausstellung wird am Freitag, 8. November 2019, 19:00 Uhr mit einführenden Worten von Dr. Ingrid Leopold eröffnet. Für die musikalische Umrahmung werden Daniela Hofer (Querflöte) und Thomas Höfer (Gitarre) sorgen. Die Kuhmichel-Exponate sind bis zum 12. Januar 2020 in der Freudenberger Altstadt zu sehen.

Große Schaffensvielfalt

Hermann Kuhmichel war ein hoch talentierter Künstler mit einer überaus vielfältigen Schaffenspalette. Von ihm entstanden Eisengussplatten und -skulpturen, Steinskulpturen und -reliefs, solche aus Holz und Metall, Wandputzbilder (Sgraffitos), Glasmalereien, Monotypien, Holzschnitte, Kohlezeichnungen oder sogar Wandteppiche.

Als „karg, kantig jedem überflüssigen Gerede abgeneigt, auf das Wesentliche konzentriert,“ beschreiben ihn Zeitzeugen. Er sei Künstler gewesen, der von tiefer Religiosität geprägt war. „Mein Vorbild sind die einfachen Leute, die sich mit dem Christentum wirklich ‚abschleppen‘“, wird er zitiert. Vielen hart arbeitenden Menschen habe er ein Denkmal gesetzt. Als Hermann Kuhmichel am 21. September 1965 stirbt, gilt er als anerkannter und großer Siegerländer Künstler.

Erst der Forst, dann die Kunst

Sein Lebensweg lässt zunächst die künstlerische Laufbahn nicht erkennen. Als Hermann am 4. März 1898 in Eiserfeld das Licht der Welt erblickte, war das achte Kind von Ferdinand und Katharina Kuhmichel. Der Vater (1859-1934) von Beruf Bergmann, machte sich später als kapitalkräftiger Gewerke einen Namen, gründete eine Sprengstofffabrik in Würgendorf und nahm 1920 die seit 1844 bestehende Peterzeche erneut in Betrieb.

Nach seiner schulischen Ausbildung an der Rektoratsschule in Weidenau (heute FJM) und dem „Einjährigen“ in Plettenberg, beginnt Hermann Kuhmichel eine Forstlehre, wird aber 18-jährig 1916 während des I. Weltkrieges als Frontsoldat einberufen. Sein Lazarettaufenthalt aufgrund einer schweren Verwundung endet erst 1920.

Den Forsten widmet er sich nun wieder, wird Forstlehrer und nimmt dann bis 1926 eine Stellung als Gutsverwalter in Meißen an.

Aber die Lungenkrankheit plagt ihn zunehmend, seine Arbeitsstelle muss er aufgeben. Es sind die Jahre der „Weimarer Republik“, in denen er sich 1927 zu einer beruflichen Neuorientierung entschließt.

Studium und Bildungsreise

„Wo immer es ging, knetete der Figuren aus Lehm,“ wird von Hermann Kuhmichel berichtet. Er will sich jetzt voll und ganz der Kunst widmen und der Mönchen-Gladbacher Bildhauer Hein Minkenberg, selbst ein Barlach-Schüler, wird einer seiner Wegbereiter. Minkenberg übernahm 1928 die Professur für Bildhauerei an der Kunstgewerbeschule in Aachen. 1934 wurde er wie alle Dozenten und Schüler auf Grund der Schließung der Kunstgewerbeschule entlassen, da die nun regierenden National-sozialisten deren Kunst als „entartet“ bewerteten.  

Die Werkkunstschule in Köln wie die Kunstakademie Düsseldorf sind weitere Stationen auf dem künstlerischen Ausbildungsweg von Kuhmichel.  Dazu gehört ebenso eine Studienreise, die ihn gemeinsam mit dem Arbeiterdichter Heinrich Lersch nach Italien führt. Lersch (1889 – 1936) wird 1933 Mitglied der Preußischen Akademie der Künste und erhält 1935 den Rheinischen Literaturpreis.

Ab 1929 mit Atelier in Siegen

Sein erstes Atelier richtet sich Hermann Kuhmichel 1928 in Köln ein. Er bezeichnet sich selbst als „Barlach-Schüler der zweiten Generation“. Doch schon 1929 ruft „die Heimat“ ihn in der Person von Dr. Hans Kruse, dem Direktor des Siegerlandmuseums, zurück. Sein neues Atelier entsteht in einem stillgelegten Fabrikgebäude in der Siegener Flurenwende. Er freut sich über erste Großaufträge und heiratet 1931 die Düsseldorferin Elisabeth Kind (08.03.1899 – 27.07.1969).

Gratwanderung in NS-Zeit

Die NS-Zeit wird für Hermann Kuhmichel zur existenziellen Herausforderung, eine Gratwanderung zwischen Anerkennung und Diffamierung seiner Arbeiten. Einerseits sind dort zahlreiche staatliche Aufträge für den freischaffenden Künstler oder auch die ihm anvertraute Gestaltung der Kassetten für die Ehrenbürgerbriefe der Stadt Siegen an Reichspräsident Hindenburg und Reichskanzler Hitler.  „Er musste eine vierköpfige Familie ernähren und hat den Kopf eingezogen“, heißt es über ihn. Andererseits werden 1937 im Rahmen Im Rahmen der Reichskulturkammer-Aktion „Entartete Kunst“ seine Holzschnitte „Untersuchung“ und „ausgesperrt“, sowie die Holzskulptur „Meine Eltern“ beschlagnahmt. Seine sozial-kritischen und christlich-religiösen Motive wie auch sein Briefwechsel mit Maxim Gorki wurden ihm vorgeworfen. Dem russischen Dichter war er in einer Lungenheilanstalt begegnet. Ein angedrohtes Ausstellungs- und Schaffensverbot kam durch Fürsprache seines Förderers Dr. Hans Kruse nicht zum Tragen.

Nach 1949 Neuanfang in Siegen

Erneut wird Hermann Kuhmischel 1939/40 als Soldat einberufen. Seine Kriegsgefangenschaft endet 1945. Sein Atelier und die Wohnung findet er zerstört vor und stemmt einen weiteren Neuanfang. Der Umzug in das eigene Haus und Atelier 1953 am Weidenauer Schneppenberg versinnbildlicht diese Phase erneuerter Kreativität und Schaffenskraft.  Diese beschert ihm bald hohe künstlerische Anerkennung und viele seiner Werke kommen beim Wiederaufbau als „Kunst am Bau“ zum Tragen. Überall im Siegerland sind seine Exponate zu finden. Als Künstler wie Leiter von Kunstkursen darf er sich der Wertschätzung erfreuen.

Für Kunst begeistern

Bis zu seinem Tod fand Hermann Kuhmichel nach einem Bericht von Michael Thon (März 2014) besondere Freude daran, einmal in der Woche Auszubildenden und Mitarbeitern der Firma SIEMAG in Dahlbruch künstlerisch zu unterrichten Zur „Gruppe Kuhmichel“, die sich mit  zahlreichen Kunsttechniken beschäftigte, gehörte übrigens auch Rolf Stein. Er ist der Kunst treu geblieben und Exponate von ihm werden in einer weiteren 4Fachwerk-Ausstellung ab dem 7. März in Freudenberg präsentiert (Gemeinschaftsausstellung Heike Paul und Rolf Stein: „Farbräume zu Metallglanz“, Malerei, Skulpturen, Reliefs). „Wir freuen uns, dass dieser künstlerische Brückenschlag in die Gegenwart gelingen konnte“, so Dieter Siebel, Vorsitzender des Freudenberger Museumsvereins.

550 Jahre Asdorfer Weiher – Eröffnung und Sonderführungen

Interessante Exponate zu „550 Jahre Asdorfer Weiher“ im 4Fachwerk-Museum zu sehen

Am vergangenen Freitag ist die heimat-historische Ausstellung über eine der ältesten noch erhaltenen Talsperren in Deutschland mit einem kleinen Symposion eröffnet worden. Der Freudenberger Rathaus-Saal war für den Vortrag von Gottfried Theis bis auf den letzten Platz gefüllt. Spannend wie unterhaltsam führte der Kurator der Ausstellung durch die Geschichte des Weihers im Asdorftal an der Landesgrenze von Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. 

Mit viel Beifall dankte das Publikum seinen Ausführungen. Dank und Anerkennung für die historische Forschungsarbeit brachte auch Bürgermeisterin Nicole Reschke zum Ausdruck – und erinnerte an zahlreiche persönliche Erlebnisse, die sie mit dem Asdorfer Weiher verbindet.

An folgenden Tagen wird Gottfried Theis nun persönlich durch die Ausstellung führen und Auskunft zu vielen Details der präsentierten Exponate geben können. Dazu lädt der 4Fachwerk-Museumsverein herzlich ein.
 
Sonntag, 06.10.2019 15.00 Uhr, Sonderführung
Sonntag, 13.10.2019 15.00 Uhr, Sonderführung
Samstag, 19.10.2019 15.00 Uhr, Sonderführung
Sonntag, 03.11.2019 15.00 Uhr, Finissage
 

Nicht nur die historischen Unterlagen sind in der Ausstellung zu sehen. Kurator Gottfried Theis besorgte vielfältigstes Anschaungsmaterial, um Kartographie, Verkehrswege, Flora und Fauna, Stromerzeugung und nicht zuletzt um die Industriegeschichte, die sich mit dem Bauwerk verbindet, zu dokumentieren.
Die Ausstellung im 4Fachwerk-Museum, Mittelstraße 4-6, ist bis zum 3. November 2019 zu sehen. Der Eintritt beträgt 3 Euro. Sonderführungen sind auf Anfrage möglich.
 

Singen in mitten einer Ausstellung

Gemeinsames Musizieren im 4Fachwerk-Museum

Die vielen Besucher im 4Fachwerk-Museum erlebten ein zweigeteiltes Konzert. Am Beginn standen Solo-Vorträge der in Freudenberg lebenden belgischen Sopranistin Irene Carpentier.
So traf ihr musikalischer Vortrag „Im Abendrot“, von Franz Schubert 1825 komponiert, genau die sommerabendliche Stimmung. „Wenn das Rot, das in der Wolke blickt, in mein stilles Fenster sinkt!“, heißt es in dem Text. Eine passende Beschreibung der Atmosphäre im 4Fachwerk-Museum, durch dessen viele Sprossenfenster letzte Sonnenstrahlen auf ein begeistertes Publikum trafen.
Dr. Ingrid Leopold, 4Fachwerk-Vize-Vorsitzende hatte die Gäste zum doppelten Kunstgenuss begrüßt: Singen inmitten einer Ausstellung.

Sie wurden durch eine hervorragende Solo-Sängerin unterhalten, die zum Beispiel „Sonntag“ von Johannes Brahms in unvergesslicher Weise darbot und zugleich durch ein professionell angeleitetes Mitsingen den Erfolg des Abends sicherte. Bekannte Lieder wie „Wer recht in Freuden wandern will“, „Wohlauf in Gottes schöne Welt“, „Im schönen Wiesengrunde“, wie auch stillere Motive in „Abend wird es wieder“ oder der Kanon „Abendstille überall“ und „Dona nobis pacem“ wurden von den mitsingenden Gästen leidenschaftlich aufgenommen.

„Es war ein bewegender und ganz besonderer Abend“, äußerten sich Museums-Gäste am Schluss. Mit „Das Veilchen“, ein nachdenkliches Goethe-Gedicht von 1774, das Mozart 1785 vertonte, bildete den mit viel Beifall bedachten Schlusspunkt der gefragten Konzertsängerin Irene Carpentier, die selbst am Klavier den gemeinsamen Gesang begleitete.

Breite schöpferische Vielfalt präsentiert

Große Besucherschar bei der Ausstellungs-Eröffnung von Elisabeth Mangelsdorf und Tzveta Grebe

Kunst und Kultur umfassend zu erleben, war der Wunsch der 4Fachwerk-Museums-Akteure. So waren nicht nur Kunstwerke zu sehen, sondern auch ein Kunstgenuss zu hören. Gesangsbeiträge der Sopranistin Irene Carpentier führten nach der Begrüßung durch Dieter Siebel in den Abend ein. Sie interpretierte den Goethe-Text „Ich ging im Walde so für mich hin“, der mit der Strophe endet: „ Und pflanzt es wieder/Am stillen Ort/ Nun zweigt es immer/Und blüht so fort.
Ja, dass was Elisabeth Mangelsdorf und Tzveta Grebe im Stillen in ihren Ateliers erschafften, blüht in den dem kleinen, aber feinen Museum im Alten Flecken in der Tat auf. Dr. Ingrid Leopold sprach in ihrer Einleitung von „hochbegabten multitalentierten Künstlerinnen“ und stellte deren Lebensweg und die Fortentwicklung ihrer schöpferischen Werke im Detail vor.

Elisabeth Mangelsdorf, in Hanau geboren, habe als Kind schon viel gezeichnet und ihre Mitschülerinnen portraitiert. Der Krieg vernichtete jedoch alle Pläne, sich ernsthaft mit „Schönen Künsten“ zu beschäftigen. Am Anfang ihres späteren künstlerischen Weges stand das Hobby, für ihre kleine Tochter eine Puppe zu basteln. Sie stellte kleine Wesen her, die aber auch den Älteren gefielen: „Bald konnte sie kaum den Aufträgen nachkommen, Puppen nach Wunsch für Erwachsene zu fertigen. Oft musste sie Personen in Miniaturausgabe nachbilden oder sie in ihren Berufen darstellen. Das Puppenmachen wurde zur ernsthaften Profession.“
Heute begegnen wir Elisabeth Mangelsdorf als Schafferin ausdrucksstarker Skulpturen. Sie folgte irgendwann dem dringenden Wunsch, sich zur Bildhauerkunst hin zu verändern. Sie verwirklichte ihren Traum, besuchte u. a. die Schule für Gestaltung in Siegen, begann zu töpfern und Steine zu bearbeiten. Über Jahre hält sie Kontakt zu der Künstlerinnengemeinschaft „SKULPTURA 17“ von acht Bildhauerinnen, die sich seit 1992 wöchentlich trifft, um gemeinsam zu werkeln und Exponate naturalistischer oder abstrakter Art zu schaffen. Für ihre Büste des damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker erhielt sie höchstes Lob.

Tzveta Grebe erblickte das Licht der Welt in Levski/Bulgarien. Nach der Oberschule für „Schöne Künste“ in Sofia mit Abiturabschluss „Kunstmalerin“ studierte sie an der Akademie für „Bildende Kunst“ in Sofia. Ihr Studium beendete sie mit dem Magisterdiplom. Seit 1998 lebt sie in Deutschland und zum Beginn ihrer Kariere hier zählte 2001 der erste Preis beim IHK-Künstlerwettbewerb zum Thema „Gesichter“.  121 Künstlerinnen und Künstlern hatten 210 Arbeiten eingereicht und Tzveta Grebe, die heute in Kreuztal lebt, durfte sich über den Erfolg mit ihrem Webbild „Selbstportrait als Sechsjährige in der ersten Klasse“ freuen.
Im März 2006 erging an sie anlässlich des Jubiläums „550 Jahre Stadtrechte Freudenberg“ die Einladung, im Stadtmuseum ihre Federstrichzeichnungen mit Motiven aus dem Flecken zu zeigen.
Die Bandbreite des Wirkens von Tzveta Grebe reicht also von ausdruckstarken Bleistift-Zeichnungen, Federstrich-Darstellungen über ganz außergewöhnliche Web-Portraits bis hin zur „Kunst am Bau“. In dem sie Fassaden, Stromkästen und Trafohäuschen überwiegend mit Siegerländer Motiven ein anderes Aussehen gibt, trägt sie künstlerisch dazu bei, Straßen- und Stadtbilder zu verschönen.
Ein solches exemplarisches Werk finden die Besucher neben der Eingangstür des Museums.

Die Betrachter werden viel Freude haben, aber auch Zeit brauchen, die vielfältigen und facettenreichen Arbeiten auf sich wirken zu lassen. Das Lied „Geh aus mein Herz und suche Freud“ beschloss dann auch musikalisch die Vernissage – und alle Gäste sangen gemeinsam mit Irene Carpentier kräftig mit. Viele nutzten zudem anschließend die Gelegenheit, sich mit beiden Künstlerinnen eingehend auszutauschen

Die Ausstellung ist bis zum 15. September 2019 zu sehen. Der Eintritt beträgt 3 Euro. Das Haus ist mittwochs, samstags und sonntags von 14:00 Uhr bis 17:00 Uhr geöffnet. Sonderführungen sind auf Anfrage möglich.

Ab 21. September 2019: Ausstellung „550 Jahre Asdorfer Weiher“

Wir schreiben das Jahr 1469. Graf Gerhard II. (4. Februar 1417- 17. Januar 1493) regiert die Grafschaft Sayn (1452-1493), das Gebiet, zu dem heute der Kreis Altenkirchen zählt. Nachbarn waren die Herrschaft Wildenburg und Nassau-Dillenburg. Im Landesteil, zu dem Freudenberg in jener Zeit gehörte, verantwortet Graf Johann IV. (1. August 1410 – 3. Februar 1475) von Nassau-Dillenburg das Geschehen.

Es ist jener Landesherr, der dem Flecken Freudenberg 1456 die Freiheitsrechte erneut verbriefte. Er kannte Ort und Burg: So belegt die Siegener Renteirechnung, dass Graf Johann IV. am 20. September 1468 mitsamt seinem Gefolge auf der Durchreise nach Breda in Freudenberg übernachtete.

Wenige Monate später – am 1. Mai 1469 – genehmigt ihm, dem „lieben Schwager“, Graf Gerhard II. zu Sayn auf seinem Gebiet einen Fischweiher im Asdorftal zu erweitern (…den Weiher größer zu machen). In Folge wird eine Talsperre genau an der beiderseitigen Landesgrenze entstehen. Mit Vertrag vom 20. Juni 1469 verkauft dann „Philipp von Werse von seinem Erbe an der Asdorf so viel Land an den Grafen von Nassau, als dieser zur Anlage seines Fischteiches benötigt.“

Es war eine friedliche Zeit: Auf den 18. Dezember 1466 datiert ein Landfriedensvertrag zwischen Landgraf Ludwig II. von Hessen, Graf Johann von Nassau, Graf Philipp von Nassau-Saarbrücken und dem Grafen Gerhard von Sayn für zwölf Jahre. Zudem waren beide Grafen miteinander verwandt.

Vier Jahre dauerten die Bauarbeiten zu einem Staudamm im Asdorftal, der bis heute quasi (Landesgrenze zwischen Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz) darstellt. Es entstand eine Talsperre, die zu den ältesten heute noch erhaltenen in Deutschland zählt, in Westfalen dürfte sie die älteste sein.

Warum war das Interesse damals an einem Weiher so groß? Der Landesherr wollte für eine ausreichende Fischzucht sorgen, damit die Verpflegung seiner Bevölkerung gerade in den Fastenzeiten gesichert war. Als Fastenzeiten mit dem Verzicht auf den Verzehr von Fleisch, Milchprodukten, Alkohol und Eiern galten die Phase zwischen Aschermittwoch und Ostern sowie im Advent ab dem Martinstag (11. November).

Sein Schwager, Graf Gerhard II. zu Sayn, dürfte für die kirchlichen Vorgaben großes Verständnis gehabt haben. Er war eigentlich zum geistlichen Stand bestimmt und schon Domherr zu Köln und Probst zu Aachen, musste allerdings seine Karriere zum Erzbischof abbrechen und in den weltlichen Stand zurückkehren, als sein Bruder, der eigentliche Landesherr Graf Dietrich zu Sayn im Alter von 37 Jahren im Jahr 1452 ohne Erben verstarb. Unter der Regentschaft von Gerhard II. erreichte die Grafschaft Sayn höchstes Ansehen.

Johann IV. von Nassau stand ebenso in Diensten der florierenden Herzogtümer Brabant und Burgund. Der versierte Landesherr avancierte bereits im Spätmittelalter zu einem Protagonisten der länderübergreifenden Wechselbeziehung zwischen den Niederlanden und dem Siegerland. In beiden Gebieten bekleidete Graf Johann IV. verantwortungsvolle Posten und leitete diplomatische Missionen ins Ausland.

Eine umfassende Ausstellung im 4Fachwerk-Museum (21. 09. – 03. 11. 2019) „550 Jahre Asdorfer Weiher“ stellt diese als eine der ältesten noch erhaltenen Talsperren Deutschlands in den Mittelpunkt.

An und mit ihr lassen sich facettenreiche Entwicklungen aufzeigen. Der Asdorfer Weiher gilt seit 2003 als Naturschutzgebiet und weist eine vielfältige Vergangenheit auf. Diese einzelnen Aspekte werden in der Präsentation aufgegriffen:

  • Es geht um die historischen Hintergründe, die damals handelnden Akteure und ihre Überlieferung in Urkunden, Münzen oder Siegeln
  • Dargestellt werden Hinweise und Hilfsmittel der Kartographie und Landvermessung
  • Der Asdorfer Weiher im Bild, seine Darstellung in Literatur und Presse
  • Der Asdorfer Weiher als Biotop, Flora und Fauna in seinem Einzugsbereich
  • Der Asdorfer Weiher als Wirtschaftsfaktor, dessen Gründung auf die Aufzucht von Fischen zurückgeht und der später für den Betrieb von Mühlen und Hämmern sorgte, an dem sich Unternehmen niederließen, sich aber auch einst ein „Reichsgetreidelager“ befand.
  • Und letztlich hatte der Asdorfer Weiher einen Freizeitwert, galt als Ausflugsziel, in ihm wurde gebadet oder er wurde im Winter zum Eislaufen genutzt.

Am „Asdorfer Weiher“ lassen sich viele politische, technische und ökologische Entwicklungen aufzeigen, er steht für Geschichte, Raumentwicklung und Botanik wie Zoologie/Biologie und dürfte deshalb für die örtliche Historie von besonderem Interesse sein.

Kuratiert wird die Ausstellung von Gottfried Theis. Anfragen und Hinweise können gerne an ihn gerichtet werden (Telefon 02734/3728 oder Mail GottfriedTheis@gmx.de).