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Lesung anlässlich der Carl Jung-Dörfler-Ausstellung

Die Lebensgesichte des Malers und seiner jüdischen Frau

Lesung am Dienstag, 5. Dezember 2017 um 19:00 Uhr

„Im Museum“ betitelte der Maler Carl Jung-Dörfler eine kleine Zeichnung im Jahr 1915, in der er sich selbst und seine Frau Frau Hedwig Danielewicz abbildete. Nicht nur diese Grafik ist gegenwärtig im 4Fachwerkmuseum zu sehen, sondern auch die Lebensgeschichte der beiden wird jetzt im Museum zu hören sein: Dr. Ingrid Leopold, die die gegenwärtige Ausstellung im 4Fachwerk-Museum zusammenstellte, und Volker Bunse laden zu einer gemeinsamen Lesung ein.

Eine Werkschau des Malers Carl Jung-Dörfler ist gegenwärtig im Freudenberger 4Fachwerk-Museum zu sehen.
Eine Werkschau des Malers Carl Jung-Dörfler ist gegenwärtig im Freudenberger 4Fachwerk-Museum zu sehen.

Der 1943 geborene Medizinhistoriker Professor Dr. Paul Ulrich Unschuld setzte mit seinem 1994 erstmals erschienenen Buch „Die Ärztin und der Maler“ Hedwig Danielewicz und Carl Jung-Dörfler ein literarisches Denkmal. In dem „real-historischen Drama“ dokumentiert sich mit den Lebensgeschichten der beiden so unterschiedlichen Ehepartner ein Stück deutsche Zeitgeschichte des späten 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die Doppelbiografie reicht weit über die beteiligten Akteure hinaus. Die tragischen und bewegenden Einzelschicksale stehen im Kontext gesellschaftlicher und politischer Entwicklungen dieser Zeit. Nur elf Jahre waren der Maler und die Ärztin verheiratet, er starb 1927 im Alter von nur 48 Jahren. Vierzehn Jahre später wurde die jüdisch stämmige Hedwig Danielewicz, die zum katholischen Glauben konvertiert war, nach Minsk deportiert, wo sie umgekommen ist.

Aus diesem Buch werden Dr. Ingrid Leopold und Volker Bunse die entscheidenden Abschnitte zum Verständnis der Lebensgeschichte herausgreifen. Die Lesung beginnt am Dienstag, 5. Dezember 2017 um 19:00 Uhr, der Eintritt beträgt 5 Euro.

Dr. Ingrid Leopold stellte die aktuelle Jung-Dörfler-Ausstellung zusammen und wird gemeinsam mit Volker Bunse aus dem Buch „Die Ärztin und der Maler“ lesen.
Dr. Ingrid Leopold stellte die aktuelle Jung-Dörfler-Ausstellung zusammen und wird gemeinsam mit Volker Bunse aus dem Buch „Die Ärztin und der Maler“ lesen.

Hedwig Danielewicz sah es dann als eine Lebensaufgabe an, dass die Kunstwerke ihres verstorbenen Mannes ausgestellt wie aber auch gesichert wurden. So haben letztlich viele Gemälde und Blätter den Weg in dessen Heimat gefunden, wo sie im Fundus des Museums in Wilnsdorf einen sicheren Aufbewahrungsort bekamen.
Durch die nun in Freudenberg zu sehende umfassende Werkschau bietet Dr. Ingrid Leopold am Sonntag, 17. Dezember 2017 um 15:00 Uhr zudem eine Sonderführung an.

Für die Ausstellung neu gerahmt: „Im Museum“, Selbstportrait von Carl Jung-Dörfler und seiner Frau Hedwig Danielewicz aus dem Jahr 1915.
Für die Ausstellung neu gerahmt: „Im Museum“, Selbstportrait von Carl Jung-Dörfler und seiner Frau Hedwig Danielewicz aus dem Jahr 1915.

„Der Maler und die Ärztin“

Gedächtnisausstellung zu Ehren von Carl Jung-Dörfler eröffnet

Ölgemälde, Skizzen, Bleistift- und Kohlezeichnungen: Eine beeindruckende wie umfassende Werkschau des Siegerländer Malers Carl Jung-Dörfler (1879-1927) kann derzeit im Freudenberger 4Fachwerk-Museum besichtigt werden. Die Ausstellung stellte die Vize-Vorsitzende Dr. Ingrid Leopold zusammen und beschäftigte sich eingehend mit dem Lebensweg des Künstlers: „Jede freie Minute nutzte er, um zu malen, – um mit wenigen Bleistiftstrichen die Dorfschule, die Grube Eisern, seine Kumpel, Nachbarn beim sonntäglichen Gang zur Kirche nach Rödgen, sowie Kinder und Erwachsene aus seiner täglichen realen Lebenswelt bildlich darzustellen.“ Zunächst habe er niemanden getroffen, der sich seiner annahm, um ihn in technisch-handwerklicher und in künstlerisch-intellektueller Hinsicht zu fördern. Erst im Alter von 29 Jahren hätte er die Chance erhalten, an der Königlichen Kunstakademie in Düsseldorf ein Studium aufzunehmen.

 

Eine große Gästeschar folgte gebannt der Darstellung von Ingrid Leopold, wie der Lebensweg von Carl Jung, der in Düsseldorf den Namenszusatz „Dörfler“ annahm, zu seiner späteren Frau führte: „Im Sommer 1912 begegnete er Hedwig Danielevicz. Eine Freundschaft entwickelte sich, doch es dauerte vier lange Jahre, bis der gläubige Katholik und die gedemütigte Jüdin, der sensible Maler und die vereinsamte Ärztin zueinander fanden.“ Hedwig Danielewicz war am 15. Dezember 1880 in Berlin in eine jüdische Familie mit 5 Kindern geboren. Schon früh war sie traumatisiert durch Diskriminierung und Antisemitismus. Sie fühlte sich oft ausgegrenzt. Auf Wunsch des Großvaters studierte sie nach Schulabschluss als eine der ersten Frauen in Deutschland das Fach Medizin.

Dr. Ingrid Leopold schilderte beeindruckend den schwierigen Weg der beiden, bis im Mai 1916 die standesamtliche und im Dezember dann die kirchliche Hochzeit stattfinden konnte. Der elfjährigen Ehe sei kein Glück beschieden gewesen: „Der Maler litt zunehmend an einer vermutlich genetisch bedingten Depression und suchte die Einsamkeit und Isolation. Der psychischen Isolierung folgte der körperlich schlechte Gesundheitszustand.“ Carl Jung-Dörfler starb dann am 1. September 1927 im Alter von nur 48 Jahren. Beigesetzt wurde er in seiner Heimat Obersdorf im Siegerland. Kurz nach seinem Tod fanden in Siegen und in Düsseldorf Gedächtnisausstellungen statt.

Ein bitteres Los betraf Hedwig Danielewicz selbst. Am 1. Oktober 1938 musste die jüdisch-stämmige Ärztin ihre Praxis in Düsseldorf schließen. Sie lebte fortan in bitterer Armut. Vom Schlachthof in Düsseldorf aus erfolgte am 9. November 1941 ihre Deportation in das Ghetto nach Minsk. Wann und wie sie dort umkam, ist nicht bekannt. Für Dr. Ingrid Leopold gehört Carl Jung-Dörfler zu den begabten Siegerländer Künstlern: „Wir wollen ihn durch die Präsentation der Bilder, die meist in Archiven verborgen sind, würdigen und ebenso an das tragische Schicksal seiner Frau Hedwig erinnern.“

Viel Beifall für ihre musikalische Umrahmung der Eröffnung galt dem Geschwisterpaar Marion (Viola da Gamba) und Julian Puchelt (Trompete). Intensiv nutzen die Gäste die Gelegenheit, sich die faszinierenden Kunstwerke anzuschauen, die angesichts der Lebensgeschichten des Ehepaares tief berühren.

Die Ausstellung kann bis zum 14. Januar 2018 jeweils mittwochs, samstags und sonntags von 14:00 Uhr bis 17:00 Uhr besichtigt werden. Sonderführungen sind auf Anfrage möglich. Der Eintritt beträgt 3 Euro.

WDR in Freudenberg

Fast einen ganzen Tag lang drehte das Team um WDR-Redakteurin Katrin Römer in Freudenberg. Die Kölner Fernsehleute waren in den Flecken gekommen, um die Sendung „Lieblingsorte“ aufzunehmen. Für die Führung durch die Altstadt hatte sich 4Fachwerk-Vorsitzender Dieter Siebel zur Verfügung gestellt. Einmal mehr konnte er seine Zuneigung zu seinem Geburtsort unter Beweis stellen und über viele Geschichten und Begebenheiten in der Fachwerkstadt berichten.

Treffpunkt war zunächst der KulTour-Backes. Hier staunte das Kölner Team nicht schlecht, auf eine japanische Reisegruppe zu stoßen, die ihre Begeisterung über den Flecken lautstark zum Ausdruck brachte. „Das ist ja Wirklichkeit und keine Kulisse“, so die Journalistin erstaunt beim Fotoblick nach der Kurpark-Besteigung .
Viele Winkel und jeweils kleine Lieblingsort galt es anschließend „im Flecken“ unter die Lupe zu nehmen. Und der Zufall steuerte außergewöhnliche Begegnungen bei: Dass eine Reitergruppe in den Gassen fotogerecht unterwegs ist, zählt dazu, wie eine Pilgergruppe aus Leipzig, die den Flecken als besinnlichen Ort wahrnahm. Nun sind alle gespannt, was aus der Fülle von Material demnächst im Rahmen von „Hier und Heute“ gesendet wird. 
 
 

LECKER(ER) FLECKER ADVENTSKALENDER

Advent ist die Zeit der Vorfreude: Weihnachten wird erwartet. Eine weitere Vorfreude zeigt sich bei Vielen darin, morgens ein Türchen ihres Adventskalenders öffnen zu können, um damit die Tage bis zum 24. Dezember zu zählen. Ein kleines, liebgewonnenes Ritual im Dezember.

Der Museumsverein 4Fachwerk Freudenberg bietet in diesem Jahr einen besonderen Adventskalender an. Er zeigt als Motiv den leicht verschneiten, vorweihnachtlichen Alten Flecken. Gefüllt sind die Fächer hinter den 24 Türchen mit leckerer Schokolade.

Eine ideale kleine Aufmerksamkeit, um sich wie Verwandten und Bekannten im nahen und fernen Umkreis eine Freude zu bereiten: Advent in Freudenberg. Der Kalender ist für 7,50 Euro im Museum erhältlich. Ein kleiner Überschuss unterstützt den Verein beim ehrenamtlichen Erhalt des Museums im Alten Flecken.

Der Kalender wird zu unseren Öffnungszeiten verkauft: Mi, Sa, und So. 14.00 bis 17.00 Uhr.

Gute Anlässe zu feiern für einen guten Zweck

Es hatten sich einige Anlässe zum Feiern angesammelt: Da war zum Beispiel der zurückliegende 75. Geburtstag des 4Fachwerk-Schatzmeisters Peter Mannes und auch seit einem Vierteljahrhundert ist der Hof Schlade bei Friesenhagen dem Ehepaar Mannes zur Heimat geworden. Also, bei einem sommerlichen Fest sollte dieser Ereignisse gebührend gedacht werden, mit Angehörigen aus der Familie und vielen Nachbarn und Bekannten. Anstelle von Geschenken hatten die Mannes um eine Spende zu Gunsten des Freudenberger Museumsvereins 4Fachwerk gebeten. In der markanten kleinen Spendentruhe hatten sich dann 535 Euro angesammelt.

„Dieser hochherzige Spende haben wir mit großer Freude entgegen genommen“, bedankte sich jetzt Vorsitzender Dieter Siebel. Der Verein sei dem Ehepaar Mannes auch für die sonstige fachliche Unterstützung in Rat und Tat zu großem Dank verpflichtet: „Sie sind als kunstinteressierte Persönlichkeiten, Kulturkenner und Fachleute für die Finanzen ein unschätzbarer Wert für unser Museum!“ Es sei schön, dass die große Herausforderung der ehrenamtlichen Erhaltung des Museums uns in dieser Aufgabe zusammengeführt habe.

Dieter Siebel: 80 Jahre

Am 22. August 2017 kann Dieter Siebel aus Freudenberg seinen 80. Geburtstag begehen. Der Jubilar steht an der Spitze unseres Freudenberger Museums-Vereins 4Fachwerk. Als 2012 die Stadt aus finanziellen Erwägungen über die Aufgabe ihres Museums nachdachte, war das Dieter Siebel nicht egal: „Ohne Museum wäre der Flecken ärmer!“ Gemeinsam mit vielen Kunst- und Kulturinteressierten gelang es ihm, auf ehrenamtlicher Basis den Ankerpunkt in der Altstadt zu erhalten. Am 14. Januar 2014 gründete sich der neue Trägerverein 4Fachwerk Freudenberg e.V. und die Mitgliederversammlung wählte Dieter Siebel zum Vorsitzenden.

Dieter Siebel ist in der Marktstraße im Alten Flecken aufgewachsen und die Zuneigung zu seiner Heimatstadt ist geblieben. Heute ist er ein begehrter Stadtführer, der eben aus Geschichten zur Historie unterhaltsam informieren kann. Fast zu jedem Haus weiß er etwas zu erzählen. „Geschichte erzählen“ – dies war auch sein Beweggrund für das Museum die „Lechtstonn“ zu erfinden. Sie erinnert an die frühere Dämmerstunde, als sich oft Nachbarn bei den Handwerkern trafen, um sich über die Neuigkeiten auszutauschen.

Nach seiner Schreinerlehrer wurde Dieter Siebel eine intensive künstlerische Ausbildung zuteil. Sein Vater, über den Flecken hinaus als „Sprüche-Walter“ bekannt, hatte 1925 eine Werkstatt für Holzbrandmalerei gegründet, die bald schon überregionale Bedeutung erlangte. Seit 1970 führte Dieter Siebel das kleine Unternehmen. Er widmete sich aber nicht nur diesem Kunsthandwerk (Pyrographie), sondern gab Bildern und Kunstwerken in seinem Atelier den richtigen Rahmen. Über die Jahre entwickelte er sich ebenso zum Experten für die Erhaltung älterer Werke oder der Erforschung ihrer Herkunft.

Als engagierter Christ fühlt er sich in der Verantwortung, für seine Mitmenschen, für Dinge, die ihm wichtig sind. Vielen Künstlern stand er als Mutmacher zur Seite und half ihnen, ihren eigenen Weg von Darstellung und Ausdruck zu finden. Viele Kunstausstellungen organisierte Dieter Siebel, nicht nur die im „eigenen“ Museum oder in der Bethesda-Krankenhaus-Galerie. Er ist Miterfinder des „Artvends-Kalenders“, der in der Vorweihnachtszeit den ganzen Alten Flecken zu einem begehbaren Kunstwerk entwickelte. Er engagierte sich beim KulturFlecken Silbersten, war eifriger Akteur beim Freudenberger Kulturentwicklungsprozess. Unvergessen ist seine Initiative für den „cube“, ein „ZeitRaum für Kunst“ der 2008 am Freudenberger Marktplatz entstanden war und dem grafischen Werk von Christo und Jeanne-Claude über ihre Verhüllungsobjekte eine spektakuläre Präsentationsfläche bot. Seine Bekanntschaft mit Armin Mueller-Stahl ermöglichte mehrmals dessen grafisches künstlerisches Schaffen in Freudenberg zu zeigen.

Das ehrenamtliche Wirken von Dieter Siebel ist facettenreich. Er diente seiner Heimatstadt einst als ehrenamtlicher Stadtjugendpfleger, dem CVJM ist er lange verbunden und auch hier scheute er sich nicht, etliche Jahre Verantwortung zu übernehmen.

Für sein vielfältiges Engagement zeichnete ihn im Dezember 2012 der damalige Bürgermeister Eckhard Günther in einer Festsitzung des Rates mit der Ehrenplakette der Stadt aus. Sein unermüdliches Wirken sollte gelobt und er ausdrücklich zum „Weitermachen“ ermuntert werden. In der Tat: Mit seiner positiven Ausstrahlung ist er weiter für Kunst, Kultur und Geschichte in Freudenberg unterwegs. Seine Frau, sein Sohn mit dessen Familie und ein großer Verwandtenkreis dürfen sich freuen, dass von kulturellem Engagement doch eine so vitalisierende Wirkung ausgeht.

Auch die 4Fachwerker sind froh und dankbar, ihn als kreativen, breit interessierten, hilfsbereiten und so engagierten Mitstreiter und Persönlichkeit an ihrer Spitze zu wissen. Viele werden sich am Dienstag in seinem Atelier am Kuhlenberg treffen, um ihm zu gratulieren und Glück und Segen zu wünschen.