Archiv der Kategorie: Kunstforum

Zu Neuem durch Verfremdung

Künstlerinnen-Gemeinschaftsausstellung im Freudenberger 4Fachwerk-Museum
 

Kunst als Formationsprozess: Das Ursprüngliche wird durch die Künstlerinnen zu einem Objekt mit neuem Ausdruck verwandelt. Dieser Ansatz verbindet Helge Seekamp und Erika Stei, denen jetzt das Freudenberger 4Fachwerk-Museum ein Forum für ihre Präsentationen bietet.


Erika Stei aus Wilnsdorf (Jahrgang 1945) beschäftigt sich mit den Werkstoffen Speckstein und Alabaster. Daraus entwickelt sie Skulpturen, die durch ihre Form aber ebenso mit ihren spezifischen Farben und Strukturen eine eigene visuelle Gewichtung erlangen. Handwerkliches Können und einen sicheren gestalterischen Blick verhelfen Erika Stei, beheimatet im Kunstvereins Siegen und in der Künstlergruppe „Skulptura 17“, zu variantenreichen Werken, für die sie große Anerkennung findet.
Helga Seekamp aus Siegen (Jahrgang 1942) ist in Freudenberg mit ihrem fotographischen Werk vertreten. Sie studierte an der Europäischen Akademie für Bildende Kunst in Trier, später in Siegen und an der Freien Akademie Gießen. Die vielfältigen Möglichkeiten der digitalen Bearbeitung sind ihr Handwerkszeug, um mit experimenteller Verfremdung aus Detailaufnahmen völlig neue Bildwirkungen entstehen zu lassen. Eine inspirierende Farbigkeit, Ausschnitte oder der Fokus auf spezielle Details fordern die Betrachter zu einer veränderten subjektiven Wahrnehmung. Reizvoll, wie ihre meist Natur-Motive sich zu einer technisch-abstrahierten Komposition verwandeln.

„Wir sind überrascht und begeistert, wie harmonisch die beiden ‚Bilder- und Strukturwelten‘ zu einander passen,“ kommentierten sie bei der Eröffnung die Raumwirkung des Museums, das ausdrücklich die Nähe des Betrachters zu den Objekten zulassen will.

Bis auf den letzten Platz gefüllt zeigte sich das 4Fachwerk-Kunstforum, als die Ausstellung mit einer Interview-Einleitung zwischen Franz-Josef Weber (Kunstverein Siegen) und Erika Stei sowie Helga Seekamp eröffnet wurde. Für den Museumsverein begrüßte Vize-Vorsitzende Dr. Ingrid Leopold die zahlreichen Gäste: „Das jeweils ‚Verfremdete‘ begegnet sich hier harmonisch und eröffnet einen Dialog des Sehens,“ freute sie sich über das so engagierte und ausdrucksstarke Werk der beiden Künstlerinnen. Und denen war nicht nur mit diesem Beginn am „Internationalen Frauentag“ viel Beifall gewiss.

Die Ausstellung ist bis zum 21. April 2019 in Freudenberg zu sehen. Das Museum ist mittwochs, samstags und sonntags von 14:00 Uhr bis 17:00 Uhr geöffnet. Sonderführungen sind auf Nachfrage möglich. Der Eintritt beträgt 3 Euro.

Sehenswerte Malerie und Druckgrafik

Sehenswerte Malerei und Druckgrafik
Prof. Dr. Michael Schumann und Kurt Wiesner stellen gemeinsam in Freudenberg aus

„Wir wollen nicht nur ihre Werke betrachten, sondern mit den Künstlern ins Gespräch kommen.“ Diesen Anspruch formulierte Michael Müller zur Eröffnung der neuen Ausstellung im Freudenberger 4Fachwerk-Mittendrin-Museum. Zu sehen sind Kunstwerke von Kurt Wiesner und Michael Schumann. Spannend sei es, Hintergründe zu kennen, etwas über die Herangehensweise und die Inspiration zu erfahren.

Was beide fast gleichaltrigen Künstler verbindet, Dr. Michael Schumann (Siegen, Jahrgang 1942) wie Kurt Wiesner (Neunkirchen, Jahrgang 1943), ist die Mitgliedschaft in der Arbeitsgemeinschaft Siegerländer Künstler (ASK), die umgesetzte Leidenschaft, sich nach einem erfolgreichen Berufsleben einem Kunststudium zu widmen und die deutlich spürbare Freude der Beiden an ihrem kreativen Tun.

Der eine, Wiesner, so 4Fachwerker Michael Müller in seinen kurzen Begrüßungsworten, sei Pragmatiker, Techniker, der an seine Druckgrafiken konzeptionell herangehe. Der andere, der Maler und ehemalige Hochschullehrer Schumann, spreche über seine Werke selbst von einem „kalkulierten Kontrollverlust“. Künstlerisches Handeln dränge in unbekannte Räume vor, so dessen Credo. „Bei meiner Technik muss man vorausdenken“, erläutert Kurt Wiesner. Er kombiniert für seine Werke Tiefdruck, Radierung und Hochdruck. Und trotz aller konkreten Planung spiele der „Zufall“ in der Umsetzung für die Wirkung eines Blattes dann doch eine Rolle. Die Exponate, die Professor Schumann in Freudenberg zeigt, bezeichnet er selbst als „Kiwi-Bilder“, in ihrer Farbigkeit von einer Neuseeland-Reise beeinflusst: „Ich war dort von dem Licht und den Farben tief beeindruckt und musste mein Farbspektrum völlig neu aufbauen.“ Seine Werke sind abstrakt angelegt. Dennoch: „Plötzlich sehe ich darin etwas Gegenständliches und kann meine Bilder neu entdecken.“

„Die Macht des Zufalls ist ein starker Partner des Künstlers,“ zog 4Fachwerk-Vorsitzender Dieter Siebel aus seiner Erfahrung Bilanz. Gelungen ist dem Museum eine außergewöhnlich abwechslungsreiche Ausstellung. Die Werke der beiden starken Künstler-Persönlichkeiten, durch unterschiedliche Techniken entstanden, stellen sich anhand der räumlichen Nähe einem interessanten Vergleich. Schon am ersten Abend fanden sie begeisterte Betrachter: Wieder einmal konnte das Museum zur Vernissage „volles Haus“ verbuchen.

Die Ausstellung ist bis zum 3. März 2019 zu sehen.
Der Eintritt beträgt 3 Euro. Sonderführungen sind auf Anfrage möglich.

VOLKSLIEDER-MITSINGKONZERT

Donnerstag, 8. November 2018, 19:00 Uhr

 
Die beiden Sopranistinnen Irene Carpentier und Manuela Meyer laden Menschen, die gerne singen ein, um mit ihnen gemeinsam zu musizieren. Zu Beginn des Abends stellen sich die Sängerinnen mit Liedbeiträgen von Felix Mendelssohn Bartholdy vor. Anschließend führen sie die Gäste durch einen entspannten musikalischen Abend mit gemeinsamem Singen von traditionellen deutschen Volksliedern und Kanons mal einstimmig, mal mehrstimmig. Alle können mitmachen, Texthefte werden bereitgestellt.

Die belgische Sopranistin IRENE CARPENTIER lebt seit 2016 in Freudenberg. Sie ist eine viel gefragte Konzert – und Oratoriums- sängerin. Ihre große Leidenschaft gilt geistlichen Repertoires, aber auch Lieder – und Opernrepertoires. Sie erteilt Gesangsunterricht und singt selbst im WDR-Chor in Köln. Irene Carpentier studierte am Königlichen Konservatorium in Antwerpen, im Opernstudio Flandern Gent, sowie an der Hochschule für Künste Tilburg (NL)

DieSopranistin MANUELAMEYER studierte Gesangspädagogikander Folkwang Hochschule Essen und zusätzlich Gesang mit Schwerpunkt Oper. Nach ihrem Diplom 2002 als Gesangspädagogin im Unterrichts- und Stimmbildungsbereich setzte sie ihr Studium im Fach Gesang an der Hochschule für Musik Köln fort. Über 5 Jahre war sie festes Mitglied im Opernchor der Oper Dortmund. Sie wirkte bei zahlreichen Konzerten im In – und Ausland mit und war Stipendiatin des Richard-Wagner Verbands. Beruflich arbeitet sie als Musiklehrerin und als Dozentin für Gesang an der Uni Köln.
 
Schon bei der letzten Ausstellungseröffnung hatten die beiden Sängerinnen ein begeistertes Publikum im 4Fachwerk-Museum gefunden.
Der Eintritt beträgt 5 Euro.

SONDERFÜHRUNGEN DURCH MARTIN-SCHULZ-AUSSTELLUNG

Gegenwärtig zeigt das 4Fachwerk-Mittendrin-Museum in seinem Kunstforum eine Werkschau über den Siegerländer Künstler Martin Schulz (1894 – 1968). Sehr intensiv mit dem Maler hat sich die Kuratorin der Ausstellung, Dr. Ingrid Leopold, beschäftigt. Ihr Wissen über das Leben und Wirken von Martin Schulz wird sie bei drei Sonderführungen gerne weitergeben.
 
Diese finden statt an den beiden Samstagen 3. und 17. November 2018, jeweils um 15:30 Uhr, und zur Finissage am Sonntag, 25. November 2018, 15:00 Uhr.
 
Der Eintritt beträgt 3 Euro.

Kunst und Kultur im Bergbau

KUNST UND KULTUR IM BERGBAU:
„dass es eben schön sei…“

AUSSTELLUNG VOM 1.12.2018 BIS ZUM 14.1.2019
VERNISSAGE AM 30.11.2018 UM 19 UHR

RUNDGANG MIT GOTTFRIED THEIS: 1.12.2018 UM 14.30 UHR

Das Jahr 2018 wird für den Bergbau im Ruhrgebiet den Schlusspunkt bilden. Für die einstige deutsche Schlüsselbranche ist dann endgültig „Schicht im Schacht“, die letzten Kumpels werden „unter Tage“ gewesen sein. Das Zeitalter der Kohle hat Industriegeschichte geschrieben, aber nicht nur dass: „Unabdingbar war eine Kultur der Hilfsbereitschaft, des Miteinanders und der gegenseitigen Toleranz in dieser Ära schwerster und gefährlicher Arbeit. Und diese Kultur hat auch in ganz besonderen Kunstformen ihren Ausdruck gefunden,“ erläutert Gottfried Theis.
„Kaum eine andere Berufsgruppe hat eine vergleichbar reiche kulturelle Tradition aufzuweisen, wie die Bergleute. Die Ursachen dazu liegen in der Haltung der Knappen zu ihrem Beruf. Sie waren sich bewusst, eine Tätigkeit auszuüben, die hohes Können erforderte und den Einsatz des ganzen Menschen, sogar des Lebens forderte,“ führt der Bergwerkskenner und Pädagoge weiter aus.

Für das Freudenberger 4Fachwerk-Museum kurartiert er nun eine Ausstellung zur Bergbaukultur, die ab dem 1. Dezember 2018 dort zu sehen sein wird.  Die tiefe Verwurzelung der Knappen zu ihrem Beruf hätten zu ganz spezifischen Sitten und Bräuche in ihrem Arbeits- und Lebensumfeld geführt. Bergbaukultur zeige sich in gemeinsamem Liedgut, Musik, Tanz, Literatur, ebenso in der vom Bergbau geprägten gegenständlichen Kunst. Theis: „Und diese Ausdrucksformen werden weiter bestehen und uns an die Epoche sowie die besondere Gesinnung und das Bewusstsein der Menschen im Bergbau erinnern.“

Freudenberg selbst war keine typische Bergbaustadt. Zwar gab es hier eine Zeche, auch in den Nachbarorten Niederndorf, Oberfischbach, Mausbach oder Hohenhain, sie standen aber in keinem Vergleich zu den das Siegerland prägenden Gruben in Müsen, Siegen, Gosenbach, Eiserfeld oder Neunkirchen. Jedoch: Freudenberg bietet mit seinem ehemaligen Stadtmuseum einen würdigen und besonderen Rahmen, um all die Exponate zu präsentieren, die Gottfried Theis für diese Ausstellung zusammengetragen hat. Er lebt in Freudenberg, die facettenreiche Geschichte des Bergbaues, seiner Kunst und seiner Technik bewegt ihn schon lange und hat ihn zum ambitionierten Sammler und Experten entwickeln lassen. Zahlreiche bemerkenswerte Ausstellungen zu Bergbau-Themen sind unter seiner Regie entstanden.

Gottfried Theis fühlt sich durch Goethes „Wilhelm Meisters Wanderjahre“ angesprochen.  Mit der Gestalt des Montanus (Montanprofessor Abraham Gottlob Werner) nimmt Goethes Spätwerk mancherlei Bezug zum Bergbau. Ein Zitat: „dass es eben schön sei, wie Kunst und Technik sich immer gleichsam die Waage halten und so nahe verwandt immer eine zu der andern sich hinneigt“ sieht Theis als ein Leitwort für die lebendige Tradition der bergmännischen Kunst. „Deshalb habe ich dieses Zitat als Titel dieser Ausstellung ausgewählt: „dass es eben schön sei“ Kunst und Kultur im Bergbau“.

Was zeigt die Ausstellung, ‚dass es eben schön sei‘?  Traditionelles und Spezifisches aus der bergmännischen Alltags- und Festkultur das sich erhalten hat. Aus fünf Jahrhunderten werden hier Kunstobjekte
verschiedener Epochen, Genres und Stile sowie Gebrauchsgegenstände aus der bergmännischen Lebenswelt gezeigt. Sakrales und Profanes wechseln sich dabei ab.

Mehrere Jahre Vorarbeit bedeutete diese Ausstellung über Kunst und Kultur im Bergbau aus vier Jahrhunderten, die  vom 1. Dezember 2018 bis zum 14. Januar 2019 in Freudenberg zu sehen sein wird.
 Sonderführungen sind auf Anfrage möglich.
Gottfried Theis selbst wird bei der Vernissage am 30. November 2018, 19:00 Uhr, sprechen und am 1. Dezember 2018 ab 14:30 Uhr durch seine Präsentation führen, Erläuterungen geben sowie gerne Fragen beantworten.

 

Martin-Schulz-Ausstellung eröffnet

„Gesamtkunstwerk“ aus Bildern, Gesang und Erzählung

„Es wird heute eine Premiere geben,“ hatte 4Fachwerk-Vorsitzender Dieter Siebel bei seiner Begrüßung der vielen Gäste zur Eröffnung der Martin-Schulz-Ausstellung angekündigt. Was dann geboten wurde, begeisterte die Besucher sichtlich. Erstmalig waren zur musikalischen Umrahmung zwei Sopranistinnen eingeladen. Die beiden Sängerinnen erwiesen sich aber keinesfalls nur als „Beiwerk“.

 

Als Dr. Ingrid Leopold in ihrem Eröffnungsvortrag über das Leben und Werk des Malers Martin Schulz (1894 – 1968) einging, sprach sie von dessen Begeisterung für die Schönheit der Natur. Er habe die Siegerländer Landschaft mit Wald, Bergen und dem weiten Ausblick in die Täler geliebt. Literarisch habe ein solches Empfinden Joseph von Eichendorff in seinem 1810 entstandenen Gedicht „O Täler weit, o Höhen“ eingefangen. Diesen Text vertonte 1843 Felix Mendelssohn Bartholdy und dieses Lied brachten Irene Carpentier (Freudenberg) und Manuela Meyer (Niederfischbach) stimmgewaltig und eindrucksvoll zu Gehör. Das hautnahe Erleben von Erzählung, visuellen Eindrücken durch die Vielzahl der Aquarelle und der musikalischen Hochleistung sorgte für ein mit viel Beifall aufgenommenes „Gesamtkunstwerk“.

Unter den Gästen erinnerten sich ehemalige Schüler an ihren Kunstpädagogen Martin Schulz, der 1964 nach 32-jähriger Tätigkeit vom Fürst-Johann-Moritz-Gymnasium verabschiedet und als „Motor für kulturelles Leben“ gelobt worden war. Sein Wirkungsraum ging über das Klassenzimmer hinaus. Ingrid Leopold erinnerte an seine Malstunden in freier Natur, zu denen Lehrer wie Schüler mit Klappstuhl und Aquarellmal-Utensilien unterwegs waren. „Martin Schulz war Kunstlehrer, Künstler, wirklich ein Könner und ein durchaus engagierter Bürger,“ zog Ingrid Leopold ihr Fazit. Alle Bilder und Drucke sind für die Ausstellung in Freudenberg neu gerahmt worden, wodurch ihre Ausdruckskraft noch einmal gesteigert wurde. Viel Lob durfte Dieter Siebel für diese Arbeit entgegennehmen.

 

Gezeigt werden beeindruckende Werke, die einerseits durch ihre farbige Lebendigkeit überzeugen, andererseits durch ihre Motive in den Bann ziehen, wie beispielsweise die Darstellung der Siegener Feuersbrunst nach der Bombardierung im Jahr 1944. Jedenfalls, die Werkschau, die durch intensive Unterstützung von Frau Dr. Corinna Nauck vom Museum Wilnsdorf zustande kam, bietet für die Betrachter viel Gesprächsstoff.

Irene Carpentier und Manuela Meyer
Irene Carpentier und Manuela Meyer

Übrigens: Irene Carpentier, flämische Wahl-Freudenbergerin, studierte am Königlichen Konservatorium in Antwerpen und singt seit 2017 regelmäßig im WDR-Chor in Köln. Manuela Meyer, geboren in Kirchen, wirkt als Dozentin für Gesang an der Universität Köln, studierte in Siegen, an der Folkwang-Hochschule Essen sowie der Musikhochschule Köln und sang im Chor der Oper Dortmund. Mit dem „Abendlied“, ebenfalls von Felix Mendelssohn-Bartholdy, gaben die beiden Sopranistinnen der Vernissage ein stimmungsvolles Ende. „Wir sind ganz stolz, solche Künstlerinnen in unserer Nähe zu wissen,“ so Dieter Siebel.