Archiv der Kategorie: Kunstforum

Kunstgenuss für Augen und Ohren

Gemeinschaftsausstellung von Heike Paul und Rolf Stein eröffnet

Erläuternde Worte und zum Schluss „Imagine“, die John-Lennon-Komposition, in einer eigenen Interpretation von Peter Stein mit seiner Violine berührend vorgetragen, bestimmten die eindrucksvolle Eröffnung der Ausstellung „Farbräume zu Metallglanz“ im Freudenberger 4Fachwerk-Museum.

Zu dem Kunstgenuss-Abend für Augen und Ohren fanden sich wieder viele Gäste im Alten Flecken ein. Ihnen boten Dr. Ingrid Leopold und der frühere Hilchenbacher Pfarrer Rüdiger Schnurr ein wortreich-informatives Entree zu der Gemeinschaftspräsentation von „Onkel und Nichte“ Rolf Stein und Heike Paul.

Heike Paul, in Siegen geboren, in Freudenberg aufgewachsen und heute in Senden lebend, der die „künstlerische Veranlagung“ quasi mit in die Wiege gelegt war, nutzte zunächst malerische Ausdrucksformen, um Alltag und Empfindungen aus dem schönen wie schweren Beruf der Kinderkrankenschwester zu verarbeiten. Unter Anleitung des Kölner Malers und Bildhauers Trutz Bieck trainierte sie ihr Talent immer mehr und wandte sich nach ersten figürlichen Darstellungen der abstrakten Malerei zu. Ihre Entwicklung, nun auch Menschen ausdrucksstark zu porträtieren, lässt sich in der 4Fachwerk-Ausstellung gut nachvollziehen.

„Heike Paul zeigt, wie Kunst zum Lebenselixier werden kann,“ so Ingrid Leopold, die die kontrastreiche Vielfalt der ausgestellten Kunstwerke lobte.

Laudator Rüdiger Schnurr, das wird in seinem Vortrag deutlich, kennt „seinen Künstler“ persönlich und ist ihm geistlich verbunden: Rolf Stein, 1934 in Dahlbruch geboren, befasst sich seit mehr als drei Jahrzehnten thematisch mit der „Herrlichkeit der Schöpfung“ in seinem künstlerischen Schaffen. Es geht ihm so oft um den Menschen in seinem Angewiesen sein auf Liebe und Zuwendung, seiner Bedrohung durch Not, Brutalität und Verfolgung. „Sein Name und sein Beruf („Stein und Stahl“) sind Credo für seine Materialien, denen er so emotionale Wirkungen und Empfindungen entlockt,“ so Schnurr zu dem Maler, Bildhauer und Metall-Gestalter, der einst bei SMS in Hilchenbach als Betriebsleiter wirkte. Bedeutend seien ebenso seine farbintensiven Mischtechnik-Bilder. Viele davon sind ebenso in der Ausstellung zu sehen, die bis zum 26. April andauert.

4Fachwerk-Vorsitzrender Dieter Siebel durfte sich zurecht freuen, erneut so viele Kunstinteressierte in dem kleinen Altstadt-Museum zu einer Vernissage begrüßen zu können. Das Haus, seit 2014 als kultureller Anker im Alten Flecken ehrenamtlich geführt, konnte wieder als Treffpunkt für den Kunst-Dialog, Gespräche und Begegnung dienen.

Worpswede trifft Freudenberg

4Fachwerk-Mittendrin-Museum präsentiert Heini Linkshänder | „Alles mit Links“-Ausstellung vom 2. Mai bis 27. Juni 2020

Worpswede ist zu einem Synonym für eine attraktive Künstlerkolonie geworden, die Menschen seit mehr als 125 Jahren „verzaubert“. Die Landschaft, die Atmosphäre des Ortes, seine Bewohner und die ganz besonderen Lichtverhältnisse müssen Fritz Mackensen (1866-1953) überwältigt haben. Mit seinen Studienfreunden Otto Modersohn (1865-1943) und dem Münchener Hans am Ende (1864-1918) fasste er im Spätsommer 1889 den Entschluss, hier zu beständig zu leben und zu arbeiten. Zur „Worpsweder Künstlervereinigung“ gesellten sich Fritz Overbeck (1869-1909), Carl Vinnen (1863-1922) und Heinrich Vogeler (1872-1942) hinzu. Natur statt „muffige“ Kunsthochschulen treibt die Neu-Worpsweder an: Der „Drang ins Freie“ vollzieht sich mit dem Streben zu neuen künstlerischen Ausdrucksformen. Intensives Naturerleben fand einen unmittelbaren Weg in die Kunst. Und immer mehr Künstler verwirklichten hier ihren Wunsch zum ursprünglichen Leben und Malen in der Natur.
Kunstgeschichte schrieb Paula Becker (1876-1907), die mit ihren elementaren und reduzierten Darstellungsart als bedeutende Wegbereiterin der Moderne bzw. als „Pionierin des Expressionismus in Deutschland“ gilt.
„Worpswede – es ist ein Wunderland,“ vertraute sie 1897 ihrem Tagesbuch an. Auf dem Barkenhoff, den sich der Jugendstilkünstler Heinrich Vogeler als Wohnsitz hergerichtet hatte, trafen sich immer mehr Schriftsteller und Intellektuelle als „Künstlerfamilie“, unter anderem auch ab 1900 der junge Rainer Maria Rilke: „Es ist Kunst – zu leben!“

Fortwährend pflegt Worpswede sein künstlerisches Erbe in Museen, Galerien und Kunststiftungen; mehr als 130 ortsansässige Künstler und Kunsthandwerker sowie die Künstlerhäuser formen weiterhin den Charakter des Dorfes.

Heute ist die Worpsweder Gegenwartskunst ohne den Namen Heini Linkshänder nicht denkbar. Einen großen Teil seines künstlerischen Wirkens bewahrt und präsentiert die Worpsweder Kunsthalle. Das Freudenberger 4Fachwerk-Mittendrin-Museum zeigt sich sehr dankbar, durch die freundschaftliche Zusammenarbeit mit dieser zahlreiche Heini Linkshänder Objekte, Skulpturen und Kunstblätter präsentieren zu können.
 
Heini Linkshänder (1938 – 2012) arbeitet seit 1972 als freischaffender Bildhauer, Maler, Zeichner und Aktionskünstler. Linkshänder nennt seine Hinwendung zur Kunst „einen Teil der Wirklichkeits-Bewältigung“. Ein tragischer Unfall sorgte für die Weichenstellung in seinem Leben: Der junge Heinrich Strasser, so sein bürgerlicher Name, verliert als 22-jähriger Schreiner bei einem Arbeitsunfall mit der Kreissäge seinen rechten Arm. „Ich habe den Unfall gebraucht, um zur Vollendung zu kommen“, sagt er später über sich. Nun voll und ganz auf künstlerisches Wirken ausgerichtet, wandelt sich Heinrich Strasser namentlich konsequent zu „Heini Linkshänder“. „Kunst ist eine Frage der Entscheidung“, auf die er sich nun vorhaltlos einlässt. Und umfassend: Er zeichnet, malt, druckt, baut Objekte, arbeitet an Installationen, vielfältig sind die Materialien, mit denen er sich auseinandersetzt.
Künstlerische Wegbereiter Linkshänders sind Professor Fritz Wotruba (1907-1975, Wien und Salzburg), der als der bedeutendste österreichische Bildhauer des 20. Jahrhunderts gilt, der Maler und Grafiker Professor Alfons Ortner (1907-1992) in Linz, der Bildhauer Professor Heinrich Kirchner (1902-1984) in München oder auch Professor Joseph Beuys (1921-1986) von der Kunstakademie in Düsseldorf.

Im Jahr 1983 führt ein Stipendium Heini Linkshänder zum ersten Mal nach Worpswede. Schon ein Jahr später wählt er das Künstlerdorf zu seinem Lebensmittelpunkt, baut dort seine „Wohnstatt“, lebt, denkt und arbeitet hier bis zu seinem Tod im Mai 2012. Der Satz, der sein künstlerisches Selbstverständnis zum Ausdruck bringt, ist seiner Todesanzeige vorangestellt: „Meine Heimat ist die Kunst und die sitzt im Kopf“. Dazu passt sein Bekenntnis „Ich habe meinen rechten Arm durch das Denken verlängert“ (1989).

Die Ausstellung der Heini-Linkshänder-Werke „ALLES MIT LINKS“ wird in der Zeit vom 2. Mai bis 27. Juni in Freudenberg gezeigt. Dieter Siebel kuratiert die 4Fachwerk-Ausstellung, der sich ausdrücklich als „Worpswede-Fan“ bekennt und die Künstlerkolonie seit drei Jahrzehnten immer wieder bereist.

Künstlerische Neugierde und Schaffenskraft

Ursel Decker präsentiert ihre Werke im 4Fachwerk-Museum

Das Kunstforum im Freudenberger 4Fachwerk-Museum „gehört“ in den nächsten Wochen der Netphener Künstlerin Ursel Decker. Sie zeigt Grafiken und Mischtechnik-Exponate, die in den zurückliegenden zehn Jahren entstanden sind.

Ursel Decker erblickte 1945 in Wilnsdorf-Anzhausen das Licht der Welt, wuchs in Siegen auf, war später bei einem Siegener Geldinstitut tätig. Aber: Dazwischen und danach spielte Kunst die große Rolle. Schon zu Schulzeiten hieß von Ursel, sie könne gut zeichnen. Sie besuchte also die Fachschule für Malen und Zeichnen in Siegen, ließ sich von Theo Meier-Lippe wie Siegfried Vogt inspirieren und ausbilden und war bald zu zahlreichen Ausstellungen eingeladen. 1991 nahm sich Ursel Decker eine künstlerische Auszeit, 2003 startete der Neubeginn mit Studien an der Universität Siegen, ihre gewählten Schwerpunkte „Grafik und Zeichnung“. Ursel Decker gehört heute dem Siegener Kunstverein an, ist seit 2016 Mitglied im Bundesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler Westfalen e.V. sowie im Künstlerbund Südwestfalen. In inzwischen zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen fanden ihre Werke großen Zuspruch. Aber auch andere für Kunst zu begeistern, ist ihr ein Anliegen. Als Kursleiterin im Kreisklinikum half sie psychisch Erkrankten durch Malen eine Ausdrucksform zu finden oder Migranten, über die Kunst eine Brücke zur Integration zu bauen. Zur Umsetzung ihrer karikierenden Zeichnungen bevorzugt Ursel Decker Lithografie, Radierung und Mischtechniken. Ihre beliebtesten Themen sind der Mensch und seine Umwelt. Deshalb steht die Zeichnung im Mittelpunkt ihres Schaffens.

Die Ursel-Decker-Ausstellung wird am Freitag, 17. Januar 2020 um 19:00 Uhr im 4Fachwerk-Museum eröffnet. Ihr Künstlerkollege Kurt Wiesner, der zurzeit selbst mit der Ausstellung „geritzt, geätzt, geschnitten und gedruckt“ im Siegener Oberen Schloss vertreten ist, wird in einem „Künstler-Dialog“ Ursel Decker Wissenswertes zu Leben und Wirken entlocken. Und wenn dann „geschwätzt“ ist, kann 4Fachwerk-Vorsitzender Dieter Siebel die von Michael Müller kuratierte Ausstellung eröffnen. Die Vernissage wird von Jan Backhaus (Querflöte) musikalisch umrahmt.

Die Werke sind bis zum 1. März 2020 in Freudenberg zu sehen.

Hermann Kuhmichel – Leben und Werk

4Fachwerk-Museum erinnert an bedeutenden Siegerländer Künstler

Das Freudenberger 4Fachwerk-Museum setzt seine Reihe „Erinnerungen an Siegerländer Künstler“ mit einer Präsentation zu Leben und Werk von Hermann Kuhmichel (1898 – 1965) fort.

Die Ausstellung wird am Freitag, 8. November 2019, 19:00 Uhr mit einführenden Worten von Dr. Ingrid Leopold eröffnet. Für die musikalische Umrahmung werden Daniela Hofer (Querflöte) und Thomas Höfer (Gitarre) sorgen. Die Kuhmichel-Exponate sind bis zum 12. Januar 2020 in der Freudenberger Altstadt zu sehen.

Große Schaffensvielfalt

Hermann Kuhmichel war ein hoch talentierter Künstler mit einer überaus vielfältigen Schaffenspalette. Von ihm entstanden Eisengussplatten und -skulpturen, Steinskulpturen und -reliefs, solche aus Holz und Metall, Wandputzbilder (Sgraffitos), Glasmalereien, Monotypien, Holzschnitte, Kohlezeichnungen oder sogar Wandteppiche.

Als „karg, kantig jedem überflüssigen Gerede abgeneigt, auf das Wesentliche konzentriert,“ beschreiben ihn Zeitzeugen. Er sei Künstler gewesen, der von tiefer Religiosität geprägt war. „Mein Vorbild sind die einfachen Leute, die sich mit dem Christentum wirklich ‚abschleppen‘“, wird er zitiert. Vielen hart arbeitenden Menschen habe er ein Denkmal gesetzt. Als Hermann Kuhmichel am 21. September 1965 stirbt, gilt er als anerkannter und großer Siegerländer Künstler.

Erst der Forst, dann die Kunst

Sein Lebensweg lässt zunächst die künstlerische Laufbahn nicht erkennen. Als Hermann am 4. März 1898 in Eiserfeld das Licht der Welt erblickte, war das achte Kind von Ferdinand und Katharina Kuhmichel. Der Vater (1859-1934) von Beruf Bergmann, machte sich später als kapitalkräftiger Gewerke einen Namen, gründete eine Sprengstofffabrik in Würgendorf und nahm 1920 die seit 1844 bestehende Peterzeche erneut in Betrieb.

Nach seiner schulischen Ausbildung an der Rektoratsschule in Weidenau (heute FJM) und dem „Einjährigen“ in Plettenberg, beginnt Hermann Kuhmichel eine Forstlehre, wird aber 18-jährig 1916 während des I. Weltkrieges als Frontsoldat einberufen. Sein Lazarettaufenthalt aufgrund einer schweren Verwundung endet erst 1920.

Den Forsten widmet er sich nun wieder, wird Forstlehrer und nimmt dann bis 1926 eine Stellung als Gutsverwalter in Meißen an.

Aber die Lungenkrankheit plagt ihn zunehmend, seine Arbeitsstelle muss er aufgeben. Es sind die Jahre der „Weimarer Republik“, in denen er sich 1927 zu einer beruflichen Neuorientierung entschließt.

Studium und Bildungsreise

„Wo immer es ging, knetete der Figuren aus Lehm,“ wird von Hermann Kuhmichel berichtet. Er will sich jetzt voll und ganz der Kunst widmen und der Mönchen-Gladbacher Bildhauer Hein Minkenberg, selbst ein Barlach-Schüler, wird einer seiner Wegbereiter. Minkenberg übernahm 1928 die Professur für Bildhauerei an der Kunstgewerbeschule in Aachen. 1934 wurde er wie alle Dozenten und Schüler auf Grund der Schließung der Kunstgewerbeschule entlassen, da die nun regierenden National-sozialisten deren Kunst als „entartet“ bewerteten.  

Die Werkkunstschule in Köln wie die Kunstakademie Düsseldorf sind weitere Stationen auf dem künstlerischen Ausbildungsweg von Kuhmichel.  Dazu gehört ebenso eine Studienreise, die ihn gemeinsam mit dem Arbeiterdichter Heinrich Lersch nach Italien führt. Lersch (1889 – 1936) wird 1933 Mitglied der Preußischen Akademie der Künste und erhält 1935 den Rheinischen Literaturpreis.

Ab 1929 mit Atelier in Siegen

Sein erstes Atelier richtet sich Hermann Kuhmichel 1928 in Köln ein. Er bezeichnet sich selbst als „Barlach-Schüler der zweiten Generation“. Doch schon 1929 ruft „die Heimat“ ihn in der Person von Dr. Hans Kruse, dem Direktor des Siegerlandmuseums, zurück. Sein neues Atelier entsteht in einem stillgelegten Fabrikgebäude in der Siegener Flurenwende. Er freut sich über erste Großaufträge und heiratet 1931 die Düsseldorferin Elisabeth Kind (08.03.1899 – 27.07.1969).

Gratwanderung in NS-Zeit

Die NS-Zeit wird für Hermann Kuhmichel zur existenziellen Herausforderung, eine Gratwanderung zwischen Anerkennung und Diffamierung seiner Arbeiten. Einerseits sind dort zahlreiche staatliche Aufträge für den freischaffenden Künstler oder auch die ihm anvertraute Gestaltung der Kassetten für die Ehrenbürgerbriefe der Stadt Siegen an Reichspräsident Hindenburg und Reichskanzler Hitler.  „Er musste eine vierköpfige Familie ernähren und hat den Kopf eingezogen“, heißt es über ihn. Andererseits werden 1937 im Rahmen Im Rahmen der Reichskulturkammer-Aktion „Entartete Kunst“ seine Holzschnitte „Untersuchung“ und „ausgesperrt“, sowie die Holzskulptur „Meine Eltern“ beschlagnahmt. Seine sozial-kritischen und christlich-religiösen Motive wie auch sein Briefwechsel mit Maxim Gorki wurden ihm vorgeworfen. Dem russischen Dichter war er in einer Lungenheilanstalt begegnet. Ein angedrohtes Ausstellungs- und Schaffensverbot kam durch Fürsprache seines Förderers Dr. Hans Kruse nicht zum Tragen.

Nach 1949 Neuanfang in Siegen

Erneut wird Hermann Kuhmischel 1939/40 als Soldat einberufen. Seine Kriegsgefangenschaft endet 1945. Sein Atelier und die Wohnung findet er zerstört vor und stemmt einen weiteren Neuanfang. Der Umzug in das eigene Haus und Atelier 1953 am Weidenauer Schneppenberg versinnbildlicht diese Phase erneuerter Kreativität und Schaffenskraft.  Diese beschert ihm bald hohe künstlerische Anerkennung und viele seiner Werke kommen beim Wiederaufbau als „Kunst am Bau“ zum Tragen. Überall im Siegerland sind seine Exponate zu finden. Als Künstler wie Leiter von Kunstkursen darf er sich der Wertschätzung erfreuen.

Für Kunst begeistern

Bis zu seinem Tod fand Hermann Kuhmichel nach einem Bericht von Michael Thon (März 2014) besondere Freude daran, einmal in der Woche Auszubildenden und Mitarbeitern der Firma SIEMAG in Dahlbruch künstlerisch zu unterrichten Zur „Gruppe Kuhmichel“, die sich mit  zahlreichen Kunsttechniken beschäftigte, gehörte übrigens auch Rolf Stein. Er ist der Kunst treu geblieben und Exponate von ihm werden in einer weiteren 4Fachwerk-Ausstellung ab dem 7. März in Freudenberg präsentiert (Gemeinschaftsausstellung Heike Paul und Rolf Stein: „Farbräume zu Metallglanz“, Malerei, Skulpturen, Reliefs). „Wir freuen uns, dass dieser künstlerische Brückenschlag in die Gegenwart gelingen konnte“, so Dieter Siebel, Vorsitzender des Freudenberger Museumsvereins.

Breite schöpferische Vielfalt präsentiert

Große Besucherschar bei der Ausstellungs-Eröffnung von Elisabeth Mangelsdorf und Tzveta Grebe

Kunst und Kultur umfassend zu erleben, war der Wunsch der 4Fachwerk-Museums-Akteure. So waren nicht nur Kunstwerke zu sehen, sondern auch ein Kunstgenuss zu hören. Gesangsbeiträge der Sopranistin Irene Carpentier führten nach der Begrüßung durch Dieter Siebel in den Abend ein. Sie interpretierte den Goethe-Text „Ich ging im Walde so für mich hin“, der mit der Strophe endet: „ Und pflanzt es wieder/Am stillen Ort/ Nun zweigt es immer/Und blüht so fort.
Ja, dass was Elisabeth Mangelsdorf und Tzveta Grebe im Stillen in ihren Ateliers erschafften, blüht in den dem kleinen, aber feinen Museum im Alten Flecken in der Tat auf. Dr. Ingrid Leopold sprach in ihrer Einleitung von „hochbegabten multitalentierten Künstlerinnen“ und stellte deren Lebensweg und die Fortentwicklung ihrer schöpferischen Werke im Detail vor.

Elisabeth Mangelsdorf, in Hanau geboren, habe als Kind schon viel gezeichnet und ihre Mitschülerinnen portraitiert. Der Krieg vernichtete jedoch alle Pläne, sich ernsthaft mit „Schönen Künsten“ zu beschäftigen. Am Anfang ihres späteren künstlerischen Weges stand das Hobby, für ihre kleine Tochter eine Puppe zu basteln. Sie stellte kleine Wesen her, die aber auch den Älteren gefielen: „Bald konnte sie kaum den Aufträgen nachkommen, Puppen nach Wunsch für Erwachsene zu fertigen. Oft musste sie Personen in Miniaturausgabe nachbilden oder sie in ihren Berufen darstellen. Das Puppenmachen wurde zur ernsthaften Profession.“
Heute begegnen wir Elisabeth Mangelsdorf als Schafferin ausdrucksstarker Skulpturen. Sie folgte irgendwann dem dringenden Wunsch, sich zur Bildhauerkunst hin zu verändern. Sie verwirklichte ihren Traum, besuchte u. a. die Schule für Gestaltung in Siegen, begann zu töpfern und Steine zu bearbeiten. Über Jahre hält sie Kontakt zu der Künstlerinnengemeinschaft „SKULPTURA 17“ von acht Bildhauerinnen, die sich seit 1992 wöchentlich trifft, um gemeinsam zu werkeln und Exponate naturalistischer oder abstrakter Art zu schaffen. Für ihre Büste des damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker erhielt sie höchstes Lob.

Tzveta Grebe erblickte das Licht der Welt in Levski/Bulgarien. Nach der Oberschule für „Schöne Künste“ in Sofia mit Abiturabschluss „Kunstmalerin“ studierte sie an der Akademie für „Bildende Kunst“ in Sofia. Ihr Studium beendete sie mit dem Magisterdiplom. Seit 1998 lebt sie in Deutschland und zum Beginn ihrer Kariere hier zählte 2001 der erste Preis beim IHK-Künstlerwettbewerb zum Thema „Gesichter“.  121 Künstlerinnen und Künstlern hatten 210 Arbeiten eingereicht und Tzveta Grebe, die heute in Kreuztal lebt, durfte sich über den Erfolg mit ihrem Webbild „Selbstportrait als Sechsjährige in der ersten Klasse“ freuen.
Im März 2006 erging an sie anlässlich des Jubiläums „550 Jahre Stadtrechte Freudenberg“ die Einladung, im Stadtmuseum ihre Federstrichzeichnungen mit Motiven aus dem Flecken zu zeigen.
Die Bandbreite des Wirkens von Tzveta Grebe reicht also von ausdruckstarken Bleistift-Zeichnungen, Federstrich-Darstellungen über ganz außergewöhnliche Web-Portraits bis hin zur „Kunst am Bau“. In dem sie Fassaden, Stromkästen und Trafohäuschen überwiegend mit Siegerländer Motiven ein anderes Aussehen gibt, trägt sie künstlerisch dazu bei, Straßen- und Stadtbilder zu verschönen.
Ein solches exemplarisches Werk finden die Besucher neben der Eingangstür des Museums.

Die Betrachter werden viel Freude haben, aber auch Zeit brauchen, die vielfältigen und facettenreichen Arbeiten auf sich wirken zu lassen. Das Lied „Geh aus mein Herz und suche Freud“ beschloss dann auch musikalisch die Vernissage – und alle Gäste sangen gemeinsam mit Irene Carpentier kräftig mit. Viele nutzten zudem anschließend die Gelegenheit, sich mit beiden Künstlerinnen eingehend auszutauschen

Die Ausstellung ist bis zum 15. September 2019 zu sehen. Der Eintritt beträgt 3 Euro. Das Haus ist mittwochs, samstags und sonntags von 14:00 Uhr bis 17:00 Uhr geöffnet. Sonderführungen sind auf Anfrage möglich.

TRILOG: Kunstsommer in Freudenberg

An einem Sommerabend im wahrsten Sinne hielt der „SiegenerKunstsommer 2019“ in Freudenberg Einzug. Die Ausstellung, die Werke der drei Künstler Ulrike Stausberg und Peter Leidig aus Gummersbach sowie Ingo Schultze-Schnabel aus Neunkirchen zeigt, erfreute sich einer wortreichen Eröffnung.

4Fachwerk-Vorsitzender Dieter Siebel begrüßte die vielen Gäste, durch hochsommerliche Temperaturen motiviert, mit einem Zitat von Vincent van Gogh: „Es ist ebenso interessant und schwer, etwas gut zu sagen, wie es gut zu malen ist.“ Denn, die drei Künstler, die sich in dieser Formation vor zwei Jahren bei einer Ausstellung in Engelskirchen kennen gelernt hatten, wollten die Vernissage mit einem gemeinsamen Gespräch über Kunst gestalten.

Erstes Fazit: Alle drei haben mit Farben zu tun, jeden zeichnet eine ganz andere Handschrift aus und sie gehen mit unterschiedlichen Perspektiven an ihr Werk. „Verschiedenheit ist uns wichtig, denn gerade in der Kunst gibt es ja nicht nur die eine Wahrheit.“

Ulrike Stausberg, die in Hamburg Grafik-Design studierte, stellte sich als gebürtige Mausbacherin vor und bekannte „Ich habe mich der freien Kunst verschrieben – und das mit allen Konsequenzen.“ Auch Peter Leidig, hinter dem eine Ausbildung von 13 Semestern an der Kölner Hochschule für Kunst und Design liegt, die er als Meisterschüler abschloss, betont Ernsthaftigkeit: „Kunst ist mein Beruf, nicht mein Hobby!“ Ingo Schulz-Schnabel hatte sich beruflich dem Schuldienst verschrieben, aber „immer mit der Kunst gekämpft“. Dieser Spagat habe ihm gutgetan.

„Wie fangen Bilder an?“ Ulrike Stausberg antwortet knapp und präzise: „Denken einstellen. Ich beginne ohne Idee – bis zu dem Moment ‚Jetzt ist es da‘“. Peter Leidig legt sich seine Materialen zurecht, fügt zusammen, bildet einen Gegenpol. Auch bei ihm dauert der Prozess bis zu dem „Ok, jetzt stimmt’s.“ Seine Acrylbilder versteht er als Reaktion auf die Objekte.

Auch Freudenberg ist Teil des. Mit seinem Ziel, an einer aktiven Kunstlandschaft tätig zu sein, erreicht er in den nächsten Wochen das 4Fachwerk-Mittenrdin-Museum im Alten Flecken. 

Der „KunstSommer“ ist für viele Künstlerinnen und Künstler eine wichtige Einrichtung für die Region geworden. Drei von ihnen, davon entwickelt ihre Kunst aus vermeintlichen Kritzeleien, die bei näherer Betrachtung ein kreatives Zusammenspiel und eine „schöpferische, zauberhafte Welt“ erkennen lassen.

Einer eher konkreten Kunst ist Peter Leidig, Mitglied des Vereins Düsseldorfer Künstler, ehemals Student an der zuzuordnen. Überwiegend mit farbigen Acrylstäben als Material entwickelt er leuchtende, kraftvoll wirkende Kompositionen, die als Wandbild oder als freistehendes Objekt beeindrucken.

Ingo Schulz-Schnabl ist bekannt für seine mehrteiligen Arbeiten, freie Malerei kennzeichnen seine Bildelemente. Er sorgt bei dem Betrachter für reichlich Beschäftigung: Bald bildet sich eine Vorstellung, vielleicht eine Landschaft mit ihrem Licht oder eine Stillleben-artige Situation. Sobald eine Festlegung getroffen scheint, kann sich die Suche nach einer neuen visuellen Botschaft fortsetzen.

Die Ausstellung, die auch durch ein gemeinsames Gespräch eröffnet wird, findet am Mittwoch, 19. Juni 2019, um 19:00 Uhr im 4Fachwerk-Museum statt.

Die Ausstellung ist bis zum 28. Juli 2019 zu sehen. Der Eintritt beträgt 3 Euro. Das Haus ist mittwochs, samstags und sonntags von 14:00 Uhr bis 17:00 Uhr geöffnet. Sonderführungen sind auf Anfrage möglich.