Archiv der Kategorie: Kunstforum

Sonderführung am 6. Januar

durch die Carl Jung-Dörfler Ausstellung „DER MALER UND DIE ÄRZTIN“

Die  aktuelle Gedächtnisausstellung an den Maler Carl Jung-Dörfler im Freudenberger  4Fachwerk-Mittendrin-Museum findet großen Zuspruch. Vor diesem Hintergrund bietet der Museumsverein eine zusätzliche Führung an: Dr. Ingrid Leopold wird Werk, Wirken und Schicksal des Künstlers bei einem Rundgang durch die Präsentation am 

Samstag, 6. Januar 2018, ab 15:00 Uhr, erläutern.

Die Finissage findet am Sonntag, 14. Januar 2018, um 15:00 Uhr statt. Der Eintritt beträgt jeweils 3 Euro.

Ebenfalls als Rahmenprogramm zur Ausstellung wird zu einem Konzert mit Klezmer-Musik am Freitag, den 5. Januar 2017 um, 19:00 Uhr in dir Evangelische Kirche eingeladen. Hier beträgt der Eintritt 12 Euro, im Vorverkauf 10 Euro (Bücher-Flender und Museum).

Ein bewegender Hör-Abend

Lesung im Rahmen der Carl-Jung-Dörfler-Ausstellung

Das 4Fachwerk-Mittendrin-Museum hatte im Rahmenprogramm zur gegenwärtigen Ausstellung mit Werken von Car Jung-Dörfler zu einer Lesung eingeladen. Dr. Ingrid Leopold und Volker Bunse brachten mit packenden Textpassagen den Zuhörern die Lebenswege des in Obersdorf geborenen Künstlers und seiner Frau Hedwig Danielewicz nahe.


Dörfler, der bis zu seinem 29. Lebensjahr im Siegerländer Bergbau gearbeitet hatte und sich erst dann in Düsseldorf seiner wirklichen Passion, dem Malen und Zeichnen, intensiv widmen konnte, traf hier die Ärztin Hedwig Danielewicz. Sie war eine der ersten Frauen in Deutschland, die Medizin studieren und diesen Beruf auch ausüben konnte. Der frühe Tod des Malers (1927) und die Ermordung der Ärztin nach ihrer Deportation nach Minsk (1941) stehen schicksalhaft am Ende der Lebensgeschichte.
Volker Bunse, der am Fürst-Johann-Moritz-Gymnasium in Siegen Deutsch und Philosophie unterrichtet, wie Dr. Ingrid Leopold, die die Ausstellung konzipiert hatte, trugen in beeindruckender Weise die von Dörfler und Danielewicz selbst verfassten Worte oder Berichte über sie vor. Dem Medizinhistoriker Professor Dr. Paul Ulrich Unschuld ist mit seinem Buch „Die Ärztin und der Maler“ die umfassende Materialsammlung zu verdanken.

Leopold und Bunse zeichneten damit den Lebensweg, aber auch die damaligen politischen und gesellschaftlichen Zeitumstände nach. Die Dramaturgie wurde dadurch bestärkt, dass immer wieder auf künstlerische Werke aus der jeweiligen Schaffensperiode Dörflers verwiesen werden konnte, die den visuellen Rahmen der Lesung bildeten. Diese Kombination von Hören und Sehen fand offensichtlich die ausgesprochen positive Wertschätzung der vielen Gäste, die beiden Vortragenden mit langem Beifall dankten.

Lesung anlässlich der Carl Jung-Dörfler-Ausstellung

Die Lebensgesichte des Malers und seiner jüdischen Frau

Lesung am Dienstag, 5. Dezember 2017 um 19:00 Uhr

„Im Museum“ betitelte der Maler Carl Jung-Dörfler eine kleine Zeichnung im Jahr 1915, in der er sich selbst und seine Frau Frau Hedwig Danielewicz abbildete. Nicht nur diese Grafik ist gegenwärtig im 4Fachwerkmuseum zu sehen, sondern auch die Lebensgeschichte der beiden wird jetzt im Museum zu hören sein: Dr. Ingrid Leopold, die die gegenwärtige Ausstellung im 4Fachwerk-Museum zusammenstellte, und Volker Bunse laden zu einer gemeinsamen Lesung ein.

Eine Werkschau des Malers Carl Jung-Dörfler ist gegenwärtig im Freudenberger 4Fachwerk-Museum zu sehen.
Eine Werkschau des Malers Carl Jung-Dörfler ist gegenwärtig im Freudenberger 4Fachwerk-Museum zu sehen.

Der 1943 geborene Medizinhistoriker Professor Dr. Paul Ulrich Unschuld setzte mit seinem 1994 erstmals erschienenen Buch „Die Ärztin und der Maler“ Hedwig Danielewicz und Carl Jung-Dörfler ein literarisches Denkmal. In dem „real-historischen Drama“ dokumentiert sich mit den Lebensgeschichten der beiden so unterschiedlichen Ehepartner ein Stück deutsche Zeitgeschichte des späten 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die Doppelbiografie reicht weit über die beteiligten Akteure hinaus. Die tragischen und bewegenden Einzelschicksale stehen im Kontext gesellschaftlicher und politischer Entwicklungen dieser Zeit. Nur elf Jahre waren der Maler und die Ärztin verheiratet, er starb 1927 im Alter von nur 48 Jahren. Vierzehn Jahre später wurde die jüdisch stämmige Hedwig Danielewicz, die zum katholischen Glauben konvertiert war, nach Minsk deportiert, wo sie umgekommen ist.

Aus diesem Buch werden Dr. Ingrid Leopold und Volker Bunse die entscheidenden Abschnitte zum Verständnis der Lebensgeschichte herausgreifen. Die Lesung beginnt am Dienstag, 5. Dezember 2017 um 19:00 Uhr, der Eintritt beträgt 5 Euro.

Dr. Ingrid Leopold stellte die aktuelle Jung-Dörfler-Ausstellung zusammen und wird gemeinsam mit Volker Bunse aus dem Buch „Die Ärztin und der Maler“ lesen.
Dr. Ingrid Leopold stellte die aktuelle Jung-Dörfler-Ausstellung zusammen und wird gemeinsam mit Volker Bunse aus dem Buch „Die Ärztin und der Maler“ lesen.

Hedwig Danielewicz sah es dann als eine Lebensaufgabe an, dass die Kunstwerke ihres verstorbenen Mannes ausgestellt wie aber auch gesichert wurden. So haben letztlich viele Gemälde und Blätter den Weg in dessen Heimat gefunden, wo sie im Fundus des Museums in Wilnsdorf einen sicheren Aufbewahrungsort bekamen.
Durch die nun in Freudenberg zu sehende umfassende Werkschau bietet Dr. Ingrid Leopold am Sonntag, 17. Dezember 2017 um 15:00 Uhr zudem eine Sonderführung an.

Für die Ausstellung neu gerahmt: „Im Museum“, Selbstportrait von Carl Jung-Dörfler und seiner Frau Hedwig Danielewicz aus dem Jahr 1915.
Für die Ausstellung neu gerahmt: „Im Museum“, Selbstportrait von Carl Jung-Dörfler und seiner Frau Hedwig Danielewicz aus dem Jahr 1915.

„Der Maler und die Ärztin“

Gedächtnisausstellung zu Ehren von Carl Jung-Dörfler eröffnet

Ölgemälde, Skizzen, Bleistift- und Kohlezeichnungen: Eine beeindruckende wie umfassende Werkschau des Siegerländer Malers Carl Jung-Dörfler (1879-1927) kann derzeit im Freudenberger 4Fachwerk-Museum besichtigt werden. Die Ausstellung stellte die Vize-Vorsitzende Dr. Ingrid Leopold zusammen und beschäftigte sich eingehend mit dem Lebensweg des Künstlers: „Jede freie Minute nutzte er, um zu malen, – um mit wenigen Bleistiftstrichen die Dorfschule, die Grube Eisern, seine Kumpel, Nachbarn beim sonntäglichen Gang zur Kirche nach Rödgen, sowie Kinder und Erwachsene aus seiner täglichen realen Lebenswelt bildlich darzustellen.“ Zunächst habe er niemanden getroffen, der sich seiner annahm, um ihn in technisch-handwerklicher und in künstlerisch-intellektueller Hinsicht zu fördern. Erst im Alter von 29 Jahren hätte er die Chance erhalten, an der Königlichen Kunstakademie in Düsseldorf ein Studium aufzunehmen.

 

Eine große Gästeschar folgte gebannt der Darstellung von Ingrid Leopold, wie der Lebensweg von Carl Jung, der in Düsseldorf den Namenszusatz „Dörfler“ annahm, zu seiner späteren Frau führte: „Im Sommer 1912 begegnete er Hedwig Danielevicz. Eine Freundschaft entwickelte sich, doch es dauerte vier lange Jahre, bis der gläubige Katholik und die gedemütigte Jüdin, der sensible Maler und die vereinsamte Ärztin zueinander fanden.“ Hedwig Danielewicz war am 15. Dezember 1880 in Berlin in eine jüdische Familie mit 5 Kindern geboren. Schon früh war sie traumatisiert durch Diskriminierung und Antisemitismus. Sie fühlte sich oft ausgegrenzt. Auf Wunsch des Großvaters studierte sie nach Schulabschluss als eine der ersten Frauen in Deutschland das Fach Medizin.

Dr. Ingrid Leopold schilderte beeindruckend den schwierigen Weg der beiden, bis im Mai 1916 die standesamtliche und im Dezember dann die kirchliche Hochzeit stattfinden konnte. Der elfjährigen Ehe sei kein Glück beschieden gewesen: „Der Maler litt zunehmend an einer vermutlich genetisch bedingten Depression und suchte die Einsamkeit und Isolation. Der psychischen Isolierung folgte der körperlich schlechte Gesundheitszustand.“ Carl Jung-Dörfler starb dann am 1. September 1927 im Alter von nur 48 Jahren. Beigesetzt wurde er in seiner Heimat Obersdorf im Siegerland. Kurz nach seinem Tod fanden in Siegen und in Düsseldorf Gedächtnisausstellungen statt.

Ein bitteres Los betraf Hedwig Danielewicz selbst. Am 1. Oktober 1938 musste die jüdisch-stämmige Ärztin ihre Praxis in Düsseldorf schließen. Sie lebte fortan in bitterer Armut. Vom Schlachthof in Düsseldorf aus erfolgte am 9. November 1941 ihre Deportation in das Ghetto nach Minsk. Wann und wie sie dort umkam, ist nicht bekannt. Für Dr. Ingrid Leopold gehört Carl Jung-Dörfler zu den begabten Siegerländer Künstlern: „Wir wollen ihn durch die Präsentation der Bilder, die meist in Archiven verborgen sind, würdigen und ebenso an das tragische Schicksal seiner Frau Hedwig erinnern.“

Viel Beifall für ihre musikalische Umrahmung der Eröffnung galt dem Geschwisterpaar Marion (Viola da Gamba) und Julian Puchelt (Trompete). Intensiv nutzen die Gäste die Gelegenheit, sich die faszinierenden Kunstwerke anzuschauen, die angesichts der Lebensgeschichten des Ehepaares tief berühren.

Die Ausstellung kann bis zum 14. Januar 2018 jeweils mittwochs, samstags und sonntags von 14:00 Uhr bis 17:00 Uhr besichtigt werden. Sonderführungen sind auf Anfrage möglich. Der Eintritt beträgt 3 Euro.

Sonderführung Artverwandt

SONDERFÜHRUNG DURCH DIE
AUSSTELLUNG „ARTVERWANDT“
Termin: Samstag, 21. Oktober 2017, 16:00 Uhr

Vera Becker, eine der beiden Künstlerinnen, deren Werke gerade im 4Fachwerk-Mittendrin präsentiert werden, wird am kommenden Samstag persönlich durch ihre Ausstellung führen.
Hierzu lädt der Museumsverein für den 21. Oktober 2017, um 16:00 Uhr in das Museum im Alten Flecken.

Die Kreuztalerin, die mit einer ganz besonderen Maltechnik arbeitet, wird erläutern, wie ihre Kunstwerke entstehen und welche Ideen sie mit ihren Farb- und Formkompositionen verbindet.
Ihre Tochter Melanie Becker-Hoffmann arbeitet in der Grundstruktur verwandt, sucht mit Fäden in ganz unterschiedlicher Weise ihren Objekten eine zusätzliche Dimension in der Gestaltwirkung zu geben.

Vera Becker freut sich auf den Dialog. Der Eintritt beträgt 3 Euro.

EIGENART-VERWANDT – „berührend kreativ“

Mit Burkhard Leismann, dem Direktor des Kunstmuseums Ahlen, hatten Vera Becker und ihre Tochter Melanie Becker-Hoffmann einen prominenten wie kenntnisreichen Moderator für ihre Ausstellungseröffnung in Freudenberg gewinnen können.

Beide Künstlerinnen seinen zwar familiär und in ihrem Tun verwandt, doch sie verwirklichten sich in sehr eigenständigen Positionierungen. Gemeinsam zeichneten sich ihre Werke durch eine intensive malerische Wirkung wohltuend aus. „Ihre visuellen Botschaften berühren den Betrachter“, zeigte sich Leismann überzeugt. Wenngleich von einem einheitlichen Basisaufbau ihrer Werke auszugehen sei, zeuge der jeweilige künstlerische Fortschritt doch von ausgesprochenen Individualitäten. Sein Credo: „Der Titel „Eigenart-verwandt“ ist treffender als Artverwandt“

Ausführlich schildert Leismann den Werdegang der beiden Künstlerinnen. Sie seien einem starken inneren Ruf gefolgt, am Beginn hätte keine akademische Ausbildung gestanden. Darin unterstellt der Museumsdirektor einen Vorteil: „Ihre künstlerischen Produkte tragen eine sehr persönliche Handschrift, ihre eigenen Seelen sind implementiert, alles ist authentisch, Ausdruck eines Reifeprozesses.“

Viele berühmte Künstler seien Autodidakten, befreit vom Mainstream besonderer „Denkschulen“. Leismann: „Das ist kein Makel, sondern sehr ehrlich, sehr positiv.“

In den Werken von Vera Becker sieht er einen ganz individuellen, ureigenen Schaffungsakt, der im experimentellen Austausch von Materialien wachse. So würden poetische, lyrische Bilderwelten entstehen. „Es sind Dokumente des Lebens, der Lebenswege.“ Die Leidenschaften künstlerischen Handelns würden unverfälscht wiedergegeben. Er sei beeindruckt von dieser ästhetischen Kunst, die sensibelste Momente der Wahrnehmung zuließen.

Bei Melanie Becker-Hoffmann stellt er den Charakter ihrer Werke als „Überzeichnung, ohne eine Zeichnung zu sein“ dar. Die kraftvollen Materialkollagen beeindruckten, sie führten zu einer visuellen wie haptischen Wahrnehmung. „Es sind aufregende Hingucker“, so sein Lob. Dass zunehmend Glas bei der ausgebildeten Glasgestalterin eine Rolle bei ihren künstlerischen Arbeiten spiele, sei nur verständlich. Diese Materialcollagen seien in ihrer Entwicklung ein sehr wichtiger Gestaltungsfortschritt. Die farbigen Grundierungen verbunden mit farbigen Stoffbändern und Textilfäden empfinde er als „drunter und drüber Seherlebnis“.

„Die Exponate von Mutter und Tochter verbindet die Ausstrahlung von Leidenschaft und Freude am Gestalten“, findet der Ahlener Kunstexperte. Hier zeige sich ein großes Kreativpotential. Insofern wünsche er sich viele Besucher für diese Gemeinschafts-Ausstellung.

Ausgesprochen zahlreich waren bereits die Eröffnungsgäste erschienen, die 4Fachwerk-Vorsitzender Dieter Siebel im Museum mitten im Alten Flecken begrüßen konnte. Und der Wunsch wie das Angebot, sich intensiv mit beiden Künstlerinnen auszutauschen, wurde intensiv und gerne genutzt.

Die Ausstellung ist bis zum 19. November zu sehen. Das Museum ist mittwochs, samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Sonderführungen sind auf Anfrage möglich. Der Eintritt beträgt 3 Euro.